Als noch niemand die Ribbecks zu Ribbeck kannte

In unmittelbarer Nähe des Schlosses derer von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland wurden beim Bau eines Parkplatzes nicht nur Verhüttungsanlagen aus der römischen Kaiserzeit gefunden, sondern auch Teile eines slawischen Friedhofs entdeckt.

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Grabgruben auf dem slawischen Gräberfeld von Ribbeck (Foto: D. Megel, ABD Dressler)
Deutlich zu sehen sind die Überschneidungen der einzelnen Grabgruben auf dem slawischen Gräberfeld von Ribbeck (Foto: D. Megel, ABD Dressler)

Besonders bedeutsam war die Entdeckung eines Friedhofs der ausgehenden Slawenzeit (11.–12. Jh. n. Chr.) auf der Ribbecker Ausgrabungsstätte. Auf ca. 300 m² zeigten sich Gruben von mindestens 36 Körpergräbern. In den Gräbern lagen Erwachsene, Jugendliche und Kleinkinder. Die Grabgruben sind überwiegend West-Ost ausgerichtet, was bereits darauf hinwies, dass hier Slawen ihre letzte Ruhe fanden. Inzwischen konnten zwei der Gräber komplett untersucht werden. Eines davon enthielt als Beigabe ein typisches slawisches Tongefäß des 11. Jahrhunderts.

Slawische Gräber wurden – im Vergleich zu den Siedlungen – bisher nur sehr selten entdeckt und zudem sind die meist älteren Grabungen nach heutigen Gesichtspunkten oft unzureichend dokumentiert. Größere Friedhöfe wie der jetzt entdeckte sind ohnehin die Ausnahme. Dazu kommt, dass der Friedhof vermutlich über einen längeren Zeitraum in Benutzung war, da sich einige der Gräber überschneiden.

Es besteht nun die seltene Möglichkeit, die meist beigabenarmen Bestattungen jener Zeit mit modernen Methoden fachgerecht zu dokumentieren und im Anschluss an die Grabung in weiteren Untersuchungen u.a. Aussagen zur Bevölkerungsstruktur, zum Gesundheitszustand und zum Sterbealter der in Ribbeck bestatteten Personen treffen zu können.

Die auf dem Grabungsareal entdeckten Verhüttungsöfen aus dem 1.-2. Jahrhundert n.Chr. sind bisher im Landkreis Havelland kaum nachgewiesen. Derartige Schachtöfen, heute als „Typ Tyklaty“ klassifiziert, dienten der Eisenverhüttung und wurden an der Wand einer tiefen Arbeitsgrube errichtet, die Luftzufuhr erfolgte über einen Blasebalg.

Die Grabungsfläche liegt in der Nähe des Schlosses Ribbeck, auf der der Landkreis Havelland einen neuen Parkplatz für das Schloss anlegen lassen möchte. Da auf dem Gelände bereits Fundplätze bekannt waren, begannen Mitte Juni unter der Leitung des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege die archäologische Dokumentationen im Vorfeld der Bautätigkeiten.

Ein freigelegtes Körpergrab mit einem Tongefäß als Beigabe (Foto: D. Megel, ABD Dressler)
Ein freigelegtes Körpergrab mit einem Tongefäß als Beigabe (Foto: D. Megel, ABD Dressler)

Kommentare (1)

  • Joachim Lindenberg
    Joachim Lindenberg
    am 10.07.2011
    Interessant ist meiner Ansicht nach die Lage dieses Siedlungsplatzes, denn sie weist einige Parallelen zu der Besiedlungsstruktur des nordwestlichen Schleswig-Holstein im Bereich der Landschaftsgrenze Marsch - Geest vor dem Einsetzen des mittelalterlichen Deichbaus auf. Dort wie in Ribbeck waren die höhergelegenen trockeneren Landstriche (dort: Geest, hier Rückzugsmoränen) besiedelt und wurden ackerbaulich genutzt und die tiefergelegenen feuchten Striche (dort: Marsch, hier: Luch) als Viehweide genutzt, wobei hier noch die Raseneisenerzfunde (Eisenverhüttung) hinzukommen. Genauso sind ja derartige Schachtöfen (auch Rennöfen genannt) auch aus Schleswig-Holstein bekannt.

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