Ältester Schmuck der Menschheitsgeschichte in Marokko gefunden

Bei Ausgrabungen in Marokko ist der bisher älteste, datierbare Schmuck der Menschheit gefunden worden: fingernagelgroße, perforierte und mit Ocker verzierte Nassarius-Muscheln.

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Durchbohrte Nassarius-Muscheln (Institute of Archaeology, University of Oxford/Ian Cartwright)
Durchbohrte Nassarius-Muscheln (Institute of Archaeology, University of Oxford/Ian Cartwright)

Die Grotte des Pigeons bei Taforalt in Marokko, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, gewährt immer wieder Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen in Afrika. Eine Begräbnisstätte wie auch Funde von Schmuck und den Knochen erlegter Tiere belegen, dass die Höhle über lange Zeit als Anlaufpunkt diente.

Bei den Ausgrabungen unter Leitung von Prof. Nick Barton (Institute of Archaeology, University of Oxford) und Dr. Abdeljalil Bouzzougar (Institut National des Sciences de l'Archéologie et Patrimoine, Rabat, Marokko) fanden sich nun die ältesten, als Schmuck verwendeten Nassarius-Muscheln.

Nur fingernagelgroße, perforierte und teilweise mit rotem Ocker verzierte Muscheln - so muss man sich den Schmuck unserer Vorfahren vorstellen. Die neu entdeckten Muscheln müssen, ausgehend von bereits datierten Muscheln aus höheren Sedimentschichten, die 82 000 Jahre alt sind, noch älter sein. Damit wäre der Schmuck bedeutend älter als die in der Blombos Höhle in Südafrika gefundenen Muscheln derselben Art, deren Alter von 72 000 Jahren belegt ist. Die ältesten Funde solcher Schmuckstücke in Europa sind gerade einmal 40 000 Jahre alt.

Besonders faszinierend an diesen Schmuckstücken ist die Tatsache, dass ähnliche Stücke in einer geographisch so weit entfernten Region gefunden wurden. Die seit 2005 an dem Projekt beteiligte Archäologin Dr. Elaine Turner vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum erklärt, dass das Alter der in Marokko gefundenen Muscheln nahe legt, dass Menschen schon vor mehr als 82 000 Jahren eine fortgeschrittene symbolische Kultur entwickelt hatten: Für sie war mehr von Bedeutung als nur den täglichen Überlebenskampf um Nahrung, Wasser und den Schutz vor Raubtieren.

Kommentare (4)

  • Dr.Christian Humburg
    Dr.Christian Humburg
    am 11.07.2009
    Es sind eine Reihe von Funden (figürliche Darstellungen) aus der Zeit des Homo erectus bekannt, die auf eine "symbolische Kultur" schon der Frühmenschen hinweisen.
    Z.B. die Figur aus Marokko, die bei Tan-Tan gefunden wurde.(Kuckenburg, 2001).
    Figürliche Darstellungen aus Deutschland wurden bisher leider von der offiziellen Archäologie nicht für möglich gehalten und deshalb ignoriert.
  • Dr. Josef Eiwanger
    Dr. Josef Eiwanger
    am 12.07.2009
    Taforalt wurde vor einem halben Jahrhundert großflächig von dem Jesuiten Roche ausgegraben. Seit einigen Jahren reinigt das Team von N. Barton und A. Bouzzougar dort die Profile, datiert und hat eine tischtuchgroße Fläche angegraben, von der diese Funde, ohne klaren kulturellen Kontext, stammen. Seit einem Jahrzehnt gräbt das Deutsche Archäologische Institut umfassend in Ifri n'Ammar, nicht weit von Taforalt entfernt. Dort haben wir bereits 1999 solche Schnecken gefunden (www.dainst.org Projekte - Marokko). Die Autorin sucht gelegentlich Unterstützung bei unserem Team für ihre Bestimmungen. Schon seltsam, wie das Erinnerungsvermögen dann aussetzt, wenn es darum geht, die Bedeutung des eigenen Projekts in den Vordergrund zu stellen. Neben Taforalt (Mittelwert 82 000 Jahre) scheinen die Funde von Ifri n'Ammar (Mittelwert 83 000 Jahre) und Skhul am Carmel (möglicherweise 100- bis 135 000 Jahre) scheinen einfach nicht zu existieren, wider besseres Wissen. Schade, daß die Chance vertan wird, hier einen ganz bedeutenden Horizont zu erkennen und statt dessen Verfahrensweisen zu beschreiten, die man eher in der Ecke "Kernfusion im Wasserglas" erwartet.
  • Dr. Josef Eiwanger
    Dr. Josef Eiwanger
    am 12.07.2009
    Ich durfte selbst dafür sorgen, das "Figürchen" von Tan Tan zu repatriieren, nachdem es illegal ausgeführt worden war, und hatte so genügend Gelegenheit, es in die Hand zu nehmen. Es ist leider kein Artefakt, sondern eine entfernt menschenförmige geologische Bildung. Allerdings ist es ein interessantes Manuport, von Menschen zu seinem Fundort gebracht.
  • Sepp Albrecht
    Sepp Albrecht
    am 11.08.2009
    Innerhalb der archäologischen Gemeinschaft scheint diese Selbstdarstellung kein Einzelfall zu sein.
    Da gibt es eine Scheibe aus Bronze die von Grabräbern in Nebra ausgegraben worden ist.
    Kosmisch und aus handwerklicher Sicht, betrachtete, sind die auf Annahmen und durch nichts zu belegende Aussagen, nicht als wissenschaftliche Auswertung , sondern als Märchen für Erwachsene zu betrachten. Wobei eine wissenschaftlich auf Fakten bezogene Diskussion durch Copyrigthauflagen praktisch verhindert wird.

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