Älteste Siedlung Rödinghausens entdeckt

Ein Ausgrabungsteam begleitet vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erforscht zurzeit die älteste Siedlung Rödinghausens im Kreis Herford. Ein fünfköpfiges Team hat bereits die Spuren mehrerer Gruben und ehemalige Pfostenlöcher von Holzhäusern aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. freigelegt.

Nachrichten durchblättern
Grabungsfläche
Luftbild über die Grabungsfläche von Norden. Im Vordergrund ist die Quelle mit dem anschließenden Bach zu sehen. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen / A. Koch

Bevor demnächst die Erschließungsstraßen für das neue Baugebiet "Habichtweg" im Ortsteil Schwenningdorf errichtet werden, birgt die Grabungsleiterin Kaja Kopahs mit ihrem Team unter Begleitung der LWL-Archäologie für Westfalen sämtliche Funde und fertigt maßstabsgerechte Pläne der hier vor knapp 2.000 Jahren aufgegebenen Hofstellen an.

"Für uns ist es spannend zu sehen, welche Geschichte in unserem Boden steckt", so Bürgermeister Siegfried Lux. "Wir haben die archäologischen Untersuchungen frühzeitig unterstützt, um mögliche archäologische Fundstellen vor Beginn der Bauarbeiten zu dokumentieren." Derzeit befindet sich die Gemeinde Rödinghausen im Planverfahren zur Erschließung des 'Habichtwegs'."

Schon bevor die Pläne für die Erweiterung des neuen Baugebietes konkreter wurden, war der Ort im Fokus des LWL, denn bereits im Jahr 2023 konnten zahlreiche urgeschichtliche Keramikbruchstücke aufgelesen werden. Der Platz war für eine Siedlung gut gewählt, sagen die Fachleute: Auf einer leichten Anhöhe zwischen zwei Quellmulden gab es ausreichend Wasser - auch für die von den Siedlern damals gehaltenen Tiere. Trotz der Nähe zum Wasser mussten die Bewohner der hier einst stehenden Höfe keine Angst vor Hochwasser haben und die fruchtbaren Lössböden boten eine gute Grundlage für Landwirtschaft in Eigenversorgung.

Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie, freut sich über die gute Erhaltung der archäologischen Überreste: "Das neu entdeckte Bodendenkmal bietet dem Grabungsteam eine Fülle an Informationen. So lassen sich anhand der Pfostenreihe die genaue Lage und Größe der einzelnen Haupthäuser rekonstruieren. Mit etwas Glück lässt sich sogar noch die Raumeinteilung erkennen."

Unklar ist zurzeit noch, ob in dem Wohnhaus auch das Vieh zumindest im Winter untergebracht war. Bei vergleichbaren Häusern derselben Zeit, wissen die Forschenden, ist ein Wohnteil im Westen mit einer Feuerstelle durch einen Korridor mit den beiden Eingängen im Norden und Süden von einem Stallteil mit Viehboxen im Ostteil getrennt.

Schon jetzt zeichnet sich anhand Erdverfärbungen im Boden ein Nebengebäude ab, das in den Boden eingetieft wurde. Kleine tönerne Schwungscheiben von Handspindeln zeugen von einer Herstellung von Textilien für den eigenen Bedarf. Die Grabung wird möglicherweise anhand von Tierknochen und botanischen Proben zeigen, ob ausschließlich die Haltung von Schafen für die Gewinnung von Wolle dabei eine Rolle spielte oder ob auch pflanzliche Fasern wie Flachs von Bedeutung waren.

"Anders als die Siedlungen an den größeren Flüssen lebten die Menschen hier abseits der großen Importströme. Daher überrascht es nicht, dass sich Funde von Importwaren aus dem Römischen Reich bisher auf eine rote Glanztonscherbe feinen Tafelgeschirrs beschränken", erklärt Spiong. Metallfunde lassen bisher noch auf sich warten. Deshalb schauen die Ausgräberinnen und Ausgräber auf die weitere Ausgrabung der Gruben, die gerade erst begonnen hat.

Ausgrabung einer Pfostengrube
Grabungsmitarbeiter Gligor Bozinoski schneidet die Verfüllungen der Pfostengruben, die sich im Profil deutlich als dunkle Verfärbungen abzeichnen. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen / S. Spiong
Reinigung eines Spinnwirtels
Reinigung eines sogenannten Spinnwirtels, der als Schwungscheibe einer hölzernen Handspindel benutzt wurde. Foto: Denkmal3D GmbH & Co. KG
Keramikfunde
Die Keramikscherben lokaler Produktion unterscheiden sich deutlich von der roten Scherbe römischer Importware. Foto: Denkmal3D GmbH & Co. KG