Älteste Metallobjekte nördlich der Alpen enträtselt

Forschungsteam am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Saarbrücken löst das Geheimnis der "Schernauer Artefakte"

 

Im Rahmen einer auf einer Dissertation fußenden Forschungsarbeit lösten Dr. Ralf Gleser und Dr. Albert Schmitz das Rätsel der so genannten "Schernauer Artefakte", sensationeller Kupferfunde, die Anfang der siebziger Jahre im bayrischen Schernau, Ldkr. Kitzingen, gemacht wurden und deren Herkunft bislang ungeklärt war. Die Erkenntnisse der beiden Forscher liefern neue Hinweise darauf, dass die Übergänge zwischen den großen Epochen der europäischen Urgeschichte, der Steinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit, weitgehend fließend sind.

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Bekannt ist, dass bereits in der Jungsteinzeit erste Metallobjekte kursierten. So konnten in Osteuropa beispielsweise Kupfergegenstände aus dem frühen fünften Jahrtausend nachgewiesen werden. Die damaligen Kupferschmiede konnten allerdings den Schmelzpunkt dieses Metalles noch nicht erreichen, so dass erste Kupfergegenstände lediglich durch Hämmern von gediegenem Kupfer zusammengefügt wurden. Erst in einer späteren Phase war es möglich, aus Erzen gewonnenes Kupfer zu erschmelzen und daraus erste Kleingeräte und Schmuckstücke herzustellen.

Um so rätselhafter erschien den Forschern der einzigartige Schernauer Kupferfund: In einer frühkupferzeitlichen Siedlung, die in die zweite Hälfte des fünften Jahrtausends zu datieren ist, fanden Archäologen einen kleinen kupfernen Ring und einen Kupferpfriem, die aus geschmolzenem Kupfer bestehen und deren Herkunft im süddeutschen kulturellen Kontext nicht zu erklären war.

Das Geheimnis der Schernauer Artefakte blieb ungelöst, bis sich die beiden Wissenschaftler am Institut für Vor- und Frühgeschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken der Sache annahmen. Mit Hilfe einer Clusteranalyse wurden rund 1650 Analysen aus spektrographischen Metalluntersuchungen zu Kupferfunden aus Mittel- und Osteuropa ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass die Schernauer Funde durchaus "Verwandte" in Ost- und Südosteuropa besaßen.

Eine noch deutlichere Spur führte die beiden Forscher nach Bulgarien in das Bergwerk Ai-Bunar, das nachweislich zur fraglichen Zeit in Betrieb war und dessen stark eisenhaltiges Erz als Ausgangsmaterial für die Schernauer Kupferfunde identifiziert werden konnte. Damit sind auch Fernverbindungen von über tausend Kilometern nachgewiesen - und dies bereits für das fünfte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung!

Seit 1983 leitet Professor Dr. Dr. h.c. J. Lichardus, der Leiter des Instituts für Vor- und Frühgeschichte und Doktorvater der beiden Wissenschaftler, die systematische Erforschung von Kultur und Geschichte der kupferzeitlichen Epoche durch archäologische Ausgrabungen in der Mikroregion von Drama / Bulgarien. Dort haben bulgarische und deutsche Studenten die Möglichkeit, ihre im Studium erworbenen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Die Archäologie bringt nach den Vorstellungen der Saarbrücker Wissenschaftler nicht nur die Auswertung von materiellen Hinterlassenschaften, sondern durch sorgfältige Interpretation dieser Quellen "wird das Geschriebene ergänzt und korrigiert".

[Quelle: Uni Saarbrücken]

Kommentare (2)

  • Dr. Horst Fenge
    Dr. Horst Fenge
    am 20.02.2002
    Wie soll man die ca. 5000 Jahre alte Kupferaxt, die im vorigen Jahr nahe Göttingen als Oberflächenfund gefunden wurde, einordnen? Vgl. FAZ v. 25.10.01. Dort wurde sie als "Rätselaxt" bezeichnet - Untertitel: "Ein Jahrhundertfund nahe Göttingen".
  • Arne Kimmig
    Arne Kimmig
    am 22.02.2002
    Als wir vor zwei Jahren diese Funde für eine Ausstellung ausleihen wollten, schienen sie verschollen. Wo werden sie heute aufbewahrt ?Aufbewahrungsort?

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