3.000 Jahre alte Hausgrundrisse wie gemalt!

Bei Bad Düben haben Archäologen einzigartige Siedlungsreste aus der Bronzezeit und Römischen Kaiserzeit entdeckt. Die exzellent erhaltenen Hausgrundrisse und ungewöhnlichen Funde wie eine rasselnde Tonkugel gewähren seltene Einblicke in das Leben vor 3.000 Jahren.

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Bronzezeitliche Hausgrundrisse in Bad Düben
Deutlich zeichnen sich die bronzezeitlichen Häuser im anstehenden Boden mit dunklen Verfärbungen ab. Die Gräben für die Schwellbalken, umgrenzen scharf den Hausumriss. Überschneidungen zeigen, dass Häuser mehrfach an derselben Stelle errichtet wurden. Foto © Christian Jakubczak, Landesamt für Archäologie Sachsen

Bei der archäologischen Ausgrabung im Rahmen der geplanten Ortsumgehung Wellaune bei Bad Düben sind einzigartige Funde aus der späten Bronzezeit und der älteren Römischen Kaiserzeit ans Licht gekommen. Ein Team des Landesamtes für Archäologie Sachsen (LfA) hat auf einer Fläche von rund zwei Hektar exzellent erhaltene Siedlungsreste freigelegt, die einen seltenen Einblick in das Leben der Menschen vor mehreren Tausend Jahren ermöglichen.

Siedlungsreste aus der späten Bronzezeit

Unter der Leitung von Dr. Kathrin Balfanz, wissenschaftliche Grabungsleiterin, wurden die Überreste eines Siedlungsplatzes aus der Zeit um 1300 bis 1100 vor Christus entdeckt. Die Bewohner dieser Epoche errichteten rechteckige Langhäuser in Pfostenbauweise, die als Wohn- und Stallhäuser dienten. Die sogenannten „Wandgräbchenhäuser“ zeichnen sich durch Gräben ab, die die Außenwände trugen und sich auf der Grabungsfläche deutlich abheben. Die hervorragende Erhaltung der Hausgrundrisse ist in Sachsen einzigartig und ermöglicht es, die Strukturen fast wie gemalt zu erkennen.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Häuser über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder neu errichtet wurden, was durch zahlreiche Überschneidungen der Grundrisse belegt wird.

Spuren aus der älteren Römischen Kaiserzeit

Rund 1.400 Jahre später, in der älteren Römischen Kaiserzeit (1. bis 2. Jahrhundert nach Christus), wurde der Siedlungsplatz erneut genutzt. Dies belegen Funde von Keramik mit typischer Rollrädchenverzierung sowie zahlreiche Grubenhäuser. Diese in den Boden eingetieften Gebäude dienten vor allem als Wirtschafts- oder Lagergebäude und sind als dunkle, rechteckige Gruben im Boden erkennbar.

Besondere Funde

Neben den Hausgrundrissen wurden auch ungewöhnliche Funde geborgen. So entdeckte das Team in einer bronzezeitlichen Abfallgrube eine vollständige Tonkugel, die beim Bewegen rasselt. Solche Bronzerasseln sind normalerweise nur in Gräbern zu finden, was die Entdeckung in einer Siedlungsgrube besonders macht.

Dr. Regina Smolnik, Landesarchäologin, betont die Bedeutung der Grabung:

Die Trassengröße der Ortsumgehung von Wellaune gibt uns die Größe der zu untersuchenden Fläche vor. Die Dichte der allein in diesem Ausschnitt erkennbaren gut erhaltenen Bodenfunde und die Qualität der Hausgrundrisse geben eine Fülle von Informationen preis. Sie gewähren uns und Ihnen einen wertvollen Blick in das Alltagsleben und die Kultur der Menschen vor mehreren Tausend Jahren in unserem Land. Logistisch hat das Landesamt für Archäologie Sachsen mit der Grabung in Wellaune eine große Herausforderung gemeistert. Unsere wissenschaftliche Auswertung dieser Maßnahme wird noch Vieles zum Kenntnisstand über die archäologische Vergangenheit Sachsens beitragen.

Dr. Regina Smolnik

Die Grabungsarbeiten sind Teil der notwendigen archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Straßenbaus. Die Ergebnisse werden in die weitere wissenschaftliche Auswertung einfließen und das Verständnis der regionalen Geschichte vertiefen.