Sonderausstellung in Halle präsentiert neue Erkenntnisse zur Schamanin von Bad Dürrenberg

Im Mai 1934 wurde bei Ausschachtungsarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg ein Grab aus der Zeit um 7000 vor Christus (Mittelsteinzeit) entdeckt. Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass es sich bei der ausgesprochen reich und mit einem Säugling in den Armen bestatteten Frau um die spirituelle Anführerin ihrer Gruppe, eine Schamanin, handelt. Die neue Sonderausstellung ›Die Schamanin‹ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) widmet sich vom 27. März bis zum 1. November 2026 dieser besonderen Frau und ihrer Zeit.

Die Schamanin - Ausstellung in Halle
Das Titelmotiv der Ausstellung ›Die Schamanin‹. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gestaltung: Klaus Pockrandt (Halle [Saale]).

Anlässlich der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung erhielt der Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Dr. Sebastian Putz einen Eindruck davon, wie neue Untersuchungen ein hochkomplexes Bild von Leben und Tod der Schamanin von Bad Dürrenberg zeichnen. Geradezu als Sensation darf die hier erstmals der Öffentlichkeit präsentierte Identifizierung zweier weiterer Individuen im Bad Dürrenberger Grab gelten, die mit der Schamanin und dem mit ihr bestatteten Kind verwandt sind.

Zu allen Zeiten haben Menschen nach Welterklärungen gesucht und den Versuch unternommen, Einfluss auf ihr von höheren Mächten bestimmtes Schicksal zu nehmen. Eine der frühesten Formen von Glaubensvorstellungen ist der Animismus – der Glaube an eine Umwelt, in der Menschen, Tiere und teils auch Dinge gleichermaßen über eine Seele verfügen und wirkmächtig sind. Die Grenzen zwischen Menschen und Tieren sind durchlässig und Verwandlungen sind möglich. Mit den Schamanen treten die ersten religiösen Spezialisten auf, die solche Übergänge beherrschen und für die Gemeinschaft gezielt und nutzbringend einsetzen können. Als Vermittler zwischen Menschen und Geistern versetzen sich Schamanen in Trance und reisen in die Anderswelt, geführt und beschützt von Hilfsgeistern, um ihrer Gemeinschaft oder individuellen Klienten zu helfen. Dabei kann es um die Sicherung des Jagdwildes, die Heilung von Krankheiten, den Schutz vor böswilligen Schamanen anderer Gruppen und anderes mehr gehen.

»Mit großer Sorgfalt, wissenschaftlicher Tiefe und einem klaren Vermittlungsanspruch gelingt es dem Landesmuseum, unser kulturelles Erbe zu bewahren, zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Sonderausstellung zur Schamanin von Bad Dürrenberg führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie forschungsdynamisch unsere Kenntnis der Vorgeschichte ist. Die hier präsentierten neuen Erkenntnisse sind nicht nur wissenschaftlich herausragend, sie eröffnen auch einen faszinierenden Zugang zu den geistigen Welten früher Gemeinschaften«, sagte Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Dr. Sebastian Putz anlässlich der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung. »Mein besonderer Dank gilt dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Seine seit vielen Jahren exzellente Arbeit bildet das Fundament für solche Ausstellungen von internationalem Rang. Gerade für das Kulturland Sachsen-Anhalt ist diese Arbeit von unschätzbarem Wert. Sie stärkt unsere kulturelle Identität, macht unsere reiche Geschichte sichtbar und trägt weit über die Landesgrenzen hinaus zur Wahrnehmung Sachsen-Anhalts als bedeutende Kulturlandschaft bei. Die Ausstellung ›Die Schamanin‹ ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel.«

»Wir präsentieren im Landesmuseum die größte Schau zum archäologischen Nachweis von Schamanismus und zur Mittelsteinzeit der letzten Jahrzehnte. Erneut können wir aufgrund unserer vertrauensvollen, langjährigen Verbindungen mit den großen europäischen Ausstellungshäusern großartige Leihgaben ausstellen, die teilweise kaum jemals außerhalb der Ursprungsländer zu sehen gewesen sind«, sagte Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale).

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