Neue Datenbank "URBank" ermöglicht vergleichende archäologische und historische Stadtplanung
Die Archäologie liefert ein einzigartiges materielles Zeugnis städtischer Dynamiken, das sich über Jahrtausende erstreckt und vielfältige ökologische sowie kulturelle Kontexte umfasst. Die Perspektiven archäologischer Funde ermöglichen neue Erkenntnisse zur globalen Zukunft von Städten und geben Aufschluss darüber, wie Städte auf externe und interne Schocks reagieren. Zudem lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Stadtgestalt, Bevölkerungsdichte, sozioökonomischer Organisation und räumlicher Anordnung verschiedener Traditionen identifizieren.
Eine vergleichende Forschung mit zeitübergreifender Nutzbarkeit erfordert groß angelegte, multidisziplinäre und interoperable quantitative Daten. Die Stadtarchäologie definierte Städte häufig anhand bestimmter Merkmale (z. B. Stadtmauern, Bevölkerungsdichte, Schrift). Diese Definitionen erschweren Vergleiche und führen zu Datenfragmentierung, unterschiedlichen Standards sowie regionaler Ausrichtung. Ein Mangel an Open Science und Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Stadtwissenschaftler:innen verschärft diese Problematik.
Zur Lösung dieser Herausforderungen entwickelte ein Team unter Leitung von Forschenden der Abteilung für Koevolution von Landnutzung und Urbanisierung (DLU) am MPI-GEA die Datenbank URBank. Diese globale Plattform aggregiert und analysiert städtische Daten. URBank wird am MPI-GEA gehostet und in Kooperation mit Forschenden aus den Bereichen Stadtarchäologie, Geschichtswissenschaft, Stadtforschung und Erdsystemwissenschaft weiterentwickelt.
Patrick Roberts, Direktor der Abteilung DLU, beschreibt URBank als langfristiges angelegtes, nachhaltiges Projekt und eine Datenbank, die einen grundlegend neuen Ansatz zur Zusammenführung und Analyse von Daten zur städtischen Vergangenheit bietet. "URBank nutzt aktuelle Erkenntnisse der archäologischen Stadtforschung und verfügt über ein Datenmodell, das Städte nicht nur als Punkte auf einer Karte, sondern als Ergebnis dynamischer Prozesse und Netzwerke abbildet", fasst Roberts zusammen.
Chris Carleton, leitender Wissenschaftler der Abteilung DLU, erklärt, dass jede Stadt in URBank als Zentrum eines Netzwerks verbundener Elemente betrachtet wird – darunter Straßen, Häuser, Verwaltungsgebäude und Landnutzungsdaten. "Dies ermöglicht die Untersuchung der Stadt aus verschiedenen Perspektiven sowie den quantitativen Vergleich bestimmter städtischer Parameter über Raum und Zeit."
URBank entwickelt sich kontinuierlich weiter und ist darauf ausgelegt, sich an neue Fragestellungen und Datensätze anzupassen. Das Projekt begrüßt Beiträge und Kooperationen und entwickelt Datenstrukturen sowie theoretische Ansätze, die Archäologie mit aktuellen Herausforderungen verbinden. Forschende, die ihre städtischen Daten mit URBank verknüpfen möchten, können sich bei den Projektverantwortlichen melden.
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