Asiatisches Reich im Pharaonenland

Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: die sogenannten Hyksos eroberten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten. Ihre Hauptstadt Auaris wurde 1966 von dem österreichischen Ägyptologen Manfred Bietak im östlichen Nildelta entdeckt und seither kontinuierlich ergraben.

Ausgrabungen am Hyksospalast (Foto: Institut für Ägyptologie Uni Wien)

Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und ihre Hauptstadt eroberten. Als relativ sicher gilt, dass sie aus dem Vorderen Orient stammen und von den Pharaonen bewusst als ausgezeichnete Handwerker, Soldaten und Schiffsbauer ins Land geholt wurden. Aufgrund von Grabbeigaben ist zu erkennen, dass die Mehrheit der Neusiedler im Dienste der ägyptischen Krone standen.

Ursprünglich über ganz Ägypten verteilt, konzentrierten sich die asiatischen Siedler zu Beginn der Hyksoszeit in und um  Auaris und nutzten eine Schwächephase des ägyptischen Reiches, um die Macht zuerst im Nildelta und schließlich in ganz Ägypten an sich reißen.

Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, 1966 auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens entdeckt. Seither wird das Gebiet durch das Österreichische Archäologische Institut unter der Leitung von Manfred Bietak untersucht. Bisher fanden bei mehr als 45 Kampagnen Ausgrabungen und Surveys statt. Der Palast der Hyksos blieb trotz dieser jahrzehntelangen Grabungsarbeiten unbekannt. Erst 2005 stieß das Team um Manfred Bietak und Irene Forstner-Müller schließlich zum ersten Mal auf einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit.

"Architektonisch handelt es sich dabei eindeutig nicht um einen ägyptischen Palast. Die Anlage hat eher Ähnlichkeiten zu großen Palastanlagen in Nordsyrien und Mesopotamien", erklärt der Ägyptologe. Bis heute konnte das Team ein Viertel des insgesamt 8.000 Quadratmeter großen Palastes freilegen. Durch geomagnetische Untersuchungen ist den Ägyptologen aber der genaue - fast quadratische - Grundriss der Anlage bekannt.

Im Zuge der Freilegung des Hyksos-Palastes machten die Forscher einen Sensationsfund: eine Grube mit rund sechs Meter Durchmesser, gefüllt mit über 1.000 Tongefäßen und Tierknochen. "Es muss ein großes Festmahl stattgefunden haben. Wir nehmen an, dass es sich dabei um ein Abschiedsritual handelte, da das Bauwerk unmittelbar danach verlassen wurde. Möglicherweise könnte der Tod des Palastinhabers die Ursache gewesen sein. Die Speiserelikte und zahlreichen beigesetzten Tongefäße sprechen für ein rituelles Totenmahl, wie man es in vielen Fällen auch in einem früher ausgegrabenen Tempel- und Gräberbezirk der Hyksoszeit nachweisen konnte. Bei solchen Festen wurden normalerweise 200 Tongefäße in zerbrochenem Zustand beigesetzt, doch im vorliegenden Fall fanden wir an die 1.300 Stück Tafelgeschirr und Ritualkeramik. Anschließend scheint der Palast aufgegeben worden zu sein", zieht Prof. Bietak eine vorläufige Schlussfolgerung. Eine zweite Grube gleicher Größe konnte durch geomagnetische Untersuchungen geortet werden, blieb aber bisher unangetastet.

Das Ziel der nächsten Jahre ist somit gesteckt: die vollständige Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes. Dazu kommt noch die Suche nach einem zweiten Palast, da der erste noch mitten in der Hyksosherrschaft aufgegeben wurden. Laut Manfred Bietak, der seit Mitte August wieder in Ägypten ist, wurden bereits erste Mauerreste dieses Palastes entdeckt, doch Gewissheit bringen nur die weiteren Ausgrabungen.

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