Alchemisten auf der Burg Gnandstein?
Die Untersuchungsfläche umfasste rund 225 qm und war bereits durch ältere Baumaßnahmen gestört. Dennoch konnte eine ca. 30 qm große Ziegelsteinpflasterung eines frühneuzeitlichen Fußbodens freigelegt werden. Zugleich fanden sich teilweise grün glasierte Bodenfliesen aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Unter den keramischen Funden sticht ein hohes, kolbenförmiges Gefäß mit drei Standfüßen und einem geraden, steilen Hals besonders hervor. Von außen ist es teilweise grün und im Inneren gelb glasiert und kann in das 15./16. Jahrhundert datiert werden. Bei diesem Gefäß handelt es sich zweifelsfrei um einen Destillierkolben, auf dessen schmalen Hals ein kuppelförmiger Helm aufgesetzt wurde, an dem der Dampf der zu destillierenden Flüssigkeit kondensierte und abgeleitet werden konnte.
Vermutlich diente das Gefäß zu alchemistischen Zwecken. Obwohl Alchemie nicht selten mit Goldmacherei oder Scharlatanerie gleichgesetzt wird, handelte es sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch um das Erforschen von Phänomenen und Naturwissenschaften und fand auch im Berg- und Hüttenwesen Verwendung. Ebenso wurden Mineralsäuren wie Schwefelsäure oder Salpetersäure im Destillationsverfahren hergestellt, aber auch Extrakte aus Kräutern, Blättern, Samen, Früchten etc.. Es gab praktisch nichts, was nicht destilliert wurde!.
Eine gewiss nicht unerhebliche Rolle wird auch die Destillation von Wein zu Branntwein, dem aqua vitae simplex, gespielt haben. Durch die anschließende Zugabe von Drogen aller Art nach der Destillation stellte man so vermeintlich heilende Tinkturen her. Besonders für dieses Verfahren nutze man vorwiegend Glas- oder Keramikgefäße, da man annahm, dass Metallgefäße Giftstoffe freisetzen. Da in dem Destillationskolben von der Burg Gnandstein keine Rückstände gefunden wurden, können wir über die Art der Destillation mit diesem Gefäß nur spekulieren.
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