Das Bild der Archäologie in der gegenwärtigen Alltagskultur

Hoffnung oder Hindernis für die Förderung des Kulturerbes?

von: Dr. Cornelius Holtorf
veröffentlicht am

Klischees über die Archäologie sind in der Alltagskultur weit verbreitet. Sie kommen in Spiel- und Dokumentarfilmen, Zeitungsartikeln, Sachbüchern und Romanen vor; sie finden sich in der Werbung, moderner Kunst sowie in Vergnügungsparks und im Tourismusbereich. Archäologie und Archäolog(inn)en werden gewöhnlich so dargestellt, daß sie vor allem um die umfassende Rekonstruktion der Vergangenheit auf der Basis von kleinsten, unter der Oberfläche gefundenen Spuren bemüht sind. In der Praxis sind sie diesem Bild zufolge zumeist auf der Suche nach Abenteuern und Schätzen in exotischen Gegenden unterwegs und bergen dort wertvolle Artefakte und andere Indizien vergangener Gegenwarten. Den Archäolog(inn)en selbst ist dieses populäres Bild oft eher unbehaglich. Einige sind der Ansicht, daß eine realistischere Repräsentation des archäologischen Alltags nicht nur zu einem besseren Verständnis wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens schlechthin, sondern auch speziell zu einer besseren Würdigung archäologischer Funde und Fundstätten als Kulturerbe beitragen würde. Ein neues Projekt am schwedischen Amt für Denkmalpflege (Riksantikvarieämbetet) in Stockholm, das im Oktober 2002 begann und über zwei Jahre läuft, soll dieses Thema jetzt genauer untersuchen.

Im Rahmen dieses Projektes werde ich mich detailiert damit befassen, ob und inwiefern das derzeitige populäre Bild der Archäologie der Förderung des archäologischen Kulturerbes dient. Ich stelle somit eine recht breit angelegte Frage mit erheblicher Tragweite, die in dem sich rasch entwickelnden Gebiet der sog. Public Archaeology angesiedelt ist. Um die gewonnenen Ergebnisse auf eine breitere Basis zu stellen, habe ich eine vergleichende Perspektive gewählt und will in meiner Untersuchung insbesondere die Situation in Deutschland, Schweden und Grossbritannien berücksichtigen.

Das Projekt wird in zwei Phasen durchgeführt werden. Während der ersten Phase soll eine Materialsammlung zum populären Bild der Archäologie in den drei genannten Ländern erstellt werden. Dieses Material wird dann getrennt analysiert und die Ergebnisse aus den verschiedenen Ländern werden miteinander verglichen. In einer zweiten Phase werde ich die hieraus gewonnenen Einsichten anhand verschiedener möglicher Ziele sowohl der Archäologie als auch der archäologischen Denkmalpflege bewerten.

Ich möchte versuchen, möglichst viele unterschiedliche Perspektiven in meiner Arbeit zu berücksichtigen. Darum rufe ich alle Menschen mit relevanten Erfahrungen oder Standpunkten zu diesem Thema auf mich zu kontaktieren. Ich würde sehr gerne von möglichst vielen hören, die mich entweder auf besonders interessante oder unerwartete Vorkommen von Archäologie in der Alltagskultur aufmerksam machen können oder Ansichten über den Nutzen bzw. die Nutzlosigkeit des populären Archäologiebildes für Archäologie und Denkmalpflege haben. Ich würde mich auch freuen von Beispielen und Erfahrungen aus anderen Ländern als den drei oben genannten zu hören!