Rom - Kolosseum - Raubtier-Lift

Raffinierte Bühnentechnik unterstützt Inszenierung

von: Redaktion Archäologie Online
veröffentlicht am

Rom - Kolosseum - Raubtier-Lift

Raffinierte Bühnentechnik unterstützt Inszenierung

In Rom ist das Deutsche Archäologische Institut auf Einladung der Soprintendenz Rom seit 1996 maßgeblich an den laufenden Forschungen am Kolosseum beteiligt und insbesondere mit der baugeschichtlichen Untersuchung der Arena und des Untergeschosses des Kolosseums betraut. Diese für die Durchführung und Gestaltung der Spiele wesentlichen Anlagen im größten und komplexesten Amphitheater der römischen Welt sind noch nie eingehend untersucht worden, sowohl was die technischen Funktionen selbst, als auch was ihre Entwicklung durch die halbtausendjährige Nutzungszeit bis ins frühe 6. Jh. hinein betrifft.

Unter den technischen Anlagen stehen die Aufzugssysteme für die Tiere der venationes (Tierhatzen) und die Bühneneinrichtungen im Mittelpunkt. Jetzt lassen sich drei verschiedene Systeme lokalisieren, deren Installation zwischen dem Ende des 1. Jh. (81-96) und der Mitte des 4. Jh. n. Chr. anzusetzen sind. Zwei der Aufzugsysteme gehören aufgrund bautechnischer Details zur Errichtungsphase des Kolosseums und können somit in die flavische Zeit datiert werden. Für den Korridor B lassen sich so 28 Aufzugskäfige nachweisen, die dazu dienten, Tiere bis zur Größe einer Raubkatze oder eines Bären in die Arena zu transportieren. Hingegen konnte in den Korridoren F und H, wo insgesamt 16 ca. 4.0 x 5.0 m große Plattformen installiert waren, großformatige Dekorationen, Kulissen etc. hochgezogen werden.

Im Laufe seiner antiken Nutzungszeit hat der Bau einige erhebliche Schäden erlitten, die tiefgreifende Reparaturen erforderlich machten. Am einschneidensten waren die Zerstörungen im Brand unter Macrinus im Jahre 217 und die fast zwanzigjährigen Wiederherstellungsarbeiten. Dabei wurden durch die Notwendigkeit, die Mauerzüge im Untergeschoss zu stabilisieren, beide Aufzugsysteme unbrauchbar.

In den Korridoren E und G wurde ein neues Hebesystem in Form von 60 gemauerten Schächten eingerichtet. Wegen der räumlichen Enge in den Korridoren E und G konnte das bisherige Modell - Winde, Aufzugskäfig, Winde, Aufzugskäfig etc. - nicht beibehalten werden. Daher wurde an den Kopfenden der Korridore nun je eine Winde installiert. Insgesamt sind es 8 Winden, mit denen die Käfige nacheinander hochgezogen wurden. Um eine Synchronisation im Spielablauf zu erreichen, war man bei diesem System gezwungen, erst alle 60 Käfige in ihre Position unter den Arenaboden zu ziehen; erst dann wurden die Luken möglichst gleichzeitig geöffnet.

Nach den Ergebnissen der Grabung im Untergeschoss ist anzunehmen, dass in einer früheren Bauphase Travertinquader mit quadratischer Aussparung als Unterlage für ein hölzernes Stützensystem verlegt waren. Die Stützkonstruktion trug offenbar den Arenaboden vor der Errichtung der Mauerzüge. Bei einer solchen ersten Arena in Holzkonstruktion kann es sich nur um eine Maßnahme für eine der Einweihungsfeiern handeln: entweder die von 79 n. Chr. unter Vespasian oder die 80 n. Chr. unter Titus. Durch ein solches Stützensystem war es möglich, den Arenaboden in kurzer Zeit zu demontieren und die noch nicht mit Mauerzügen bebaute Fläche des Untergeschosses für Naumachien und Darbietungen im Wasser zu nutzen. Die durch große Nischen und vorstehende Steinkonsolen gegliederte Umfassungsmauer, über die auch das Wasser eingeleitet wurde, hätte dann bei diesen Veranstaltungen die Funktion einer Schauwand ähnlich eines Nymphäums besessen.

Die Studien des DAI sind inzwischen auch in die vielbesuchte große Ausstellung "Sangue e arena" (Rom 2001) eingegangen und bilden die wissenschaftliche Grundlage für die Teilrestaurierung des Arenabodens, die in der römischen Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt hat.

(Quelle: DAI Rom)