Alburnus Maior

Eine römische Bergbausiedlung in Gefahr

von: Redaktion Archäologie Online
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Eigentlich ist er bereits emeritiert, aber immer noch "im Dienst". Prof. Dr. Géza Alföldy, Althistoriker am Seminar für Alte Geschichte der Universität Heidelberg, organisiert zurzeit eine Unterschriftenaktion zur Rettung der römischen Bergbausiedlung "Alburnus Maior" (heute Rosia Montana) in Rumänien.

Ein kanadisches Unternehmen plant, dort den Goldabbau in großem Stil zu verwirklichen und die Spuren der Vergangenheit regelrecht verschwinden zu lassen - für Greenpeace und andere Organisationen ein Umweltskandal. Der Heidelberger Professor hat nach seiner Schilderung "Hilferufe" von Fachkolleginnen und -kollegen aus Rumänien und anderen Ländern erhalten und hofft nun, die rumänischen Behörden - die am 13. Dezember über die Angelegenheit entscheiden sollen - mit internationaler Unterstützung doch noch umstimmen zu können.

"Unschätzbares und unersetzliches Kulturgut droht verloren zu gehen", schreibt Prof. Géza Alföldy in seinem Aufruf und verweist auf eine Ausstellung zum Thema, die bis August 2003 im Deutschen Bergbaumuseum in Bochum zu sehen ist. Ob das Schicksal von Rosia Montana bis dahin besiegelt sein wird? Die Fachleute aus aller Welt hoffen auf eine gute Wendung.

Schon im 19. Jahrhundert wurden bei Ausgrabungen zum Beispiel Wachstäfelchen gefunden, die die römische Arbeitsorganisation dokumentieren. Der römische Kaiser Trajan (98-117) soll Dakien wegen seines Goldvorkommens eingenommen haben. Im 18. Jahrhundert war es dann Kaiserin Maria Theresia, die die Region für den Abbau von Gold neu entdeckte und der Habsburger Monarchie so zu Reichtum verhalf.

Nach Prof. Alföldy sind auf dem jetzt unmittelbar gefährdeten, etwa 1000 Hektar großen Abbaugebiet unterirdische Stollen, Überreste historischer Bauten, Heiligtümer, Friedhöfe sowie Inschriften - wie besagte Wachstäfelchen - zu finden. Bisher konnte erst ein Bruchteil dieser antiken Schätze ans Tageslicht befördert werden. Doch schließlich sei ja auch Pompeji erst zur Hälfte ausgegraben... Das meiste von den antiken Resten würde zerstört werden, wenn die Regierung das Gelände aus wirtschaftlichen Gründen der kanadischen "Gold Corporation" zur Verfügung stelle. Dabei sei die Bergbausiedlung römischen Ursprungs wirklich einmalig auf der Welt. "Das ist so, als würde man die Römerstadt Xanten komplett wegradieren", so der Vergleich des Professors.

Die Bergbausiedlung in Rumänien könnte laut Prof. Alföldy jedenfalls ein Forschungsprojekt für mindestens die nächsten hundert Jahre sein. Natürlich hat er sich, wie viele seiner rumänischen und internationalen Fachkollegen, längst schriftlich an verschiedene staatliche Stellen in Rumänien gewandt, seiner Schilderung nach bisher aber nur "eine nichtssagende Antwort" erhalten. "Wir stehen unter Druck und werden ohne internationale Unterstützung nichts erreichen können", sagt er.

Inzwischen hat Prof. Alföldy per E-Mail bereits mehr als vierhundert Unterschriften von Fachleuten aus aller Welt erhalten. Vielleicht kommen ja noch einige mehr hinzu: geza.alfoeldy(at)urz.uni-heidelberg.de

Karin Katzenberger-Ruf
Uni Heidelberg