Bei Bauarbeiten in Großbritannien entdeckt: Ein großes römisches Mosaik

von: Thilo Jordan M.A.
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Ende Oktober kam in Lopen, Somerset (Großbritannien) völlig überraschend bei Bauarbeiten ein römischer Mosaikfußboden zum Vorschein. Die sofort eingeleitete Notgrabung unter Alan Graham und Pete Bellamy (Terrain Archaeology) offenbarte, daß dieser neue Mosaikfund zu den zehn größten in Britannien zählt. Bis zu der zufälligen Entdeckung gab es an der jetzigen Fundstelle keinerlei Anzeichen auf römische Siedlungsreste. Neben dem Mosaik wurden noch bemalter Wandputz, Hypokaustziegel und Dachziegel aus Schiefer entdeckt.

Die beteiligten britischen Archäologen gehen davon aus, daß es sich um den Fußboden einer sehr reich ausgestatteten Villa handelt. Sie wurde ca. eine Meile entfernt von der römischen Straße zwischen Lincoln und Exeter gebaut, dem sog. "Fosse Way". Diese Straße war eine der bedeutendsten Verbindungsrouten im römischen Britannien.

Das Mosaik ist zehn mal sechs Meter groß und beinhaltet u.a. die Abbildung eines Delphins. Da im römischen Britannien meist geometrische und selten bildliche Darstellungen verwendet wurden, handelt es sich hierbei um einen besonderen Fund.

Dr. David Neal datiert das Mosaik auf ca. 360 n.Chr. Seiner Meinung nach handelt es sich um ein sehr gutes Beispiel der sog. Corinischen Schule, die ihren Sitz im heutigen Circencester (Gloucestershire) hatte. Das komplizierte, ineinandergreifende geometrische Muster mit dem Delphin an einem Ende wird aus roten, weißen und blauen Mosaiksteinchen (Kalkstein und Ziegel) gebildet.

Ein Mosaikfußboden bot die sehr eindrückliche Möglichkeit seinen Reichtum und Status zur Schau zu stellen. Bisher wurden um die 400 Mosaiken in Großbritannien entdeckt, wobei die Hälfte im Südwesten des Landes konzentriert ist, wie auch das mit 196 m² bisher größte Mosaik von Woodchester. Wahrscheinlich wurden diese Mosaiken von Handwerkern gelegt, die sich in sog. Schulen zusammenschlossen. Die Corinische Schule gilt als eine der größten und ist bekannt für die Verwendung von Motiven, die auf der Orpheussage beruhen.

Über die Wandbemalungen römischer Villen in Britannien ist bisher wenig bekannt. Aufgrund des Klimas und der ständigen Wiederverwendung des Steinmaterials für spätere Bauten sind die Erhaltungsbedingungen sehr schlecht. Die purpurrot und grün bemalten Putzfragmente von Lopen sind somit durchaus als Glücksfund zu bezeichnen, lassen aber beim momentanen Stand der Auswertung noch keine Aussagen über die verwendeten Motive zu. Von der Villa von Tarrant Hinton (Dorset) ist zum Beispiel bekannt, daß die Wände mit maritimen Darstellungen verziert waren.

In Britannien kann man das 4. Jahrhundert hinsichtlich des Baues von Villen als ein goldenes Zeitalter bezeichnen, besonders in den prosperierenden und sehr gut bewirtschafteten Gebieten des heutigen West Country. Hier baute sich die wohlhabende Bevölkerung komfortable, mit dem "modernsten Standard" ausgerüstete Häuser, wobei viele dekorative Ideen aus den mediterranen und nordafrikanischen Provinzen des römischen Reiches übernommen wurden. Einige dieser Villen erreichten fast palastartigen Charakter wie die Villa von Woodchester. Zwar sind eine große Anzahl von Villen entlang des "Fosse Way" bekannt, doch wurden die meisten bei Ausgrabungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert zerstört. Aber auch die seit den 1960ern intensivierte Landwirtschaft verursachte an den römischen Hinterlassenschaften dieser Region große Schäden.

Um die Fundstelle über den Winter zu schützen, wurde sie wieder zugeschüttet. Bisher ist noch keine Entscheidung gefallen, wie mit dem Fund weiter verfahren werden soll. Während der Freilegung des Mosaiks wurde die nähere Umgebung mit Hilfe geophysikalischer Methoden untersucht, um die gesamte Ausdehnung dieses Gebäudekomplexes zu erfassen. Eine endgültige Interpretation steht momentan noch aus.

Gesichert ist jedoch das Interesse der Bevölkerung. Innerhalb von 14 Tagen haben über 5000 Personen die Fundstelle besichtigt.

Die archäologischen Untersuchungen wurden im Auftrag des Somerset County Council und English Heritage durch Terrain Archaeology ausgeführt.