Häuser im Moor

von: Christoph Steinacker
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Museen & Ausstellungen

Das Federseemuseum in Bad Buchau bietet mit den Hausrekonstruktionen auf dem neuerrichteten archäologischen Freigelände einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen vor 6000 Jahren.

Seit dem 3. April dieses Jahres ist das Federseemuseum in Bad Buchau (Kr. Biberach, Baden-Württemberg) um eine Attraktion reicher. An den Aktionstagen vom 4. - 9. April wurden die neu errichteten Häuser auf dem Gelände eingeweiht. Allein am Sonntag, den 9. April fanden bei schönem Wetter über 2000 Besucher den Weg in das Museum. Zahlreiche Vorführungen, wie Bronzegießen, Bogenschießen, das Fangen und Räuchern von Fischen und ähnliche Aktivitäten erfüllten das Gelände mit den Häusern aus der Stein- und Bronzezeit zu neuem Leben.

Besiedlung am Federsee

Seit der Entdeckung der ersten jungsteinzeitlichen Siedlungen im Hochmoor im Jahr 1875 wurden eine Fülle weiterer Siedlungsspuren im Federseegebiet gefunden. Bis heute konnten über 180 Hausgrundrisse ausgegraben werden. Die seit 16.000 Jahren andauernde Besiedlung des Gebietes reicht von dem Nachweis einer späteiszeitlichen Jagdstation an der Schussenquelle über mehrere mittelsteinzeitliche Fundplätze rund um den Henauhof bis hin zu den jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Siedlungen rund um den ehemaligen Federsee, die als Vorbilder für die Hausrekonstruktionen auf dem archäologischen Freigelände des Museums dienten.

Das 1968 errichtete und 1995 völlig neu gestaltete Federseemuseum bietet nun neben der Darstellung der Besiedlungs- und Umweltgeschichte des Federsees auch ein archäologisches Freigelände mit 12 Häusern aus jeweils zwei steinzeitlichen und zwei bronzezeitlichen Besiedlungsepochen. Seit 1998 arbeitete ein Team aus Wissenschaftlern und Handwerkern am Aufbau des Freilichtgeländes, wobei besonders auf die Rekonstruktion der Dächer geachtet wurde. Da in den Ausgrabungen im wesentlichen nur die Hausgrundrisse dokumentiert werden können, wurden die Dächer auch unter Verwendung volks- und völkerkundlicher Parallelen rekonstruiert.

Die neuen Häuser

Das älteste Dorfszenario präsentiert Teile der etwa 6000 Jahre alten Siedlung "Taubried", die den Grabungen zufolge etwa 22 Häuser umfaßte und - nach der Größe der Häuser zu urteilen - Platz für 150 bis 200 Personen geboten hat. Die vier rekonstruierten, eng beieinanderliegenden Häuser sind durch Trennwände in jeweils einen Küchen- und einen Wohnteil unterteilt. Kleine "Veranden" vor den Türen zeigen, daß sich das soziale Leben wohl hauptsächlich im Freien abgespielte. Ein Novum bei den Taubried-Häusern sind die Eichenrindendächer, bislang einzigartig in der Museumslandschaft Europas. Neben archäologischen Hinweisen stammen Anleihen für diese Dachkonstruktion vor allem von den nordamerikanischen Waldlandindianern und aus Kasachstan.

Ganz anders gebaut sind hingegen die Häuser aus der spätneolithischen Siedlung "Alleshausen-Grundwiesen" (ca. 2900 v.Chr.) vom nördlichen Federseeufer. In den extrem leichten Hütten fanden sich keinerlei Hinweise darauf auf, daß die Bewohner Getreide anbauten, dafür aber unzählige Lein- und Flachsreste. Sie werden als Sommerhütten für die Textilverarbeitung gedeutet. Somit waren die Hütten vermutlich nicht ganzjährig, sondern wohl nur zur Zeit der Flachsernte bewohnt.

Das neue Freigelände des Museums bietet nun Schülern und Erwachsenen die Möglichkeit, an Projekten und Aktionstagen teilzunehmen und somit Archäologie in einer passenden Umgebung zu erleben. Vorhanden sind ein Holzplatz, um die Möglichkeiten eines Steinbeils zu erkunden, mehrere Feuerstellen, um das Feuermachen zu üben, eine Bronzegießerplatz, eine Töpferei und ein Räucherofen.

Das Federseemuseum hat bis 1. November durchgehend von Montag bis Sonntag von 10 Uhr bis 18 Uhr und im Winter nur Sonntags und nach Anmeldung geöffnet.

Kontakt:
Federseemuseum Bad Buchau

88422 Bad Buchau
Tel. 07582-8350 / Fax 07582-933810
E-Mail: federseemuseum(at)t-online.de, WWW: http://www.federseemuseum.de

Eine Zusammenstellung der Grabungen rund um den Federsee bietet der Führer von Erwin Keefer "Rentierjäger und Pfahlbauern. 14000 Jahre Leben am Federsee".
Einen allgemeineren Überblick zur bietet der Steinzeitführer des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart, sowie die Bücher von Ernst Probst "Deutschland in der Steinzeit" und "Deutschland in der Bronzezeit".