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Nub-Cheper-Re Intef -

Wiederentdeckt: Ein lange verschollenes Pharaonengrab der 17. Dynastie

20.8.2001
Ausgrabungsfläche mit der Rekonstruktion der oberirdischen Pyramide. (Foto: DAI Kairo)
Ausgrabungsfläche mit der Rekonstruktion der oberirdischen Pyramide. (Foto: DAI Kairo)

Im Rahmen einer archäologischen Unternehmung des Deutschen Archäologischen Instituts, Abt. Kairo (DAI), wurden im vergangenen Frühjahr in der Nekropole von Theben-West, gegenüber der heutigen Stadt Luxor in Oberägypten, die Ruinen einer sehr ungewöhnlichen Grabanlage entdeckt. Der altägyptische Friedhof, in dem diese Grabstätte liegt, ist heute unter dem Namen Dra' Abu el-Naga bekannt und liegt im nördlichen Bereich der thebanischen Nekropole, unmittelbar vor dem Eingang in das berühmte Tal der Könige.

Der oberirdische Teil der Grabanlage besteht in einer Pyramide aus ungebrannten Lehmziegeln und ist von vergleichsweise bescheidenen Ausmassen: Die Basislänge einer Seite der Pyramide beträgt etwa 11 Meter, der Böschungswinkel liegt zwischen 65 und 68 Grad, womit ihre ursprüngliche Höhe mit etwa 13 Metern errechnet werden kann. Die Pyramide war einst mit einem festen Verputz aus leuchtend weissem Kalkmörtel überzogen und wahrscheinlich durch ein kleines "Pyramidion" aus Kalk- oder Sandstein bekrönt. Im östlichen Vorfeld der Pyramide fand sich ein grosser und tiefer, senkrecht in den anstehenden Fels getriebener Schacht. Am Boden des Schachtes öffnet sich nach Westen hin eine hohe Felskammer, von der aus ein weiterer Schacht abzugehen scheint. Um die Pyramide zog sich im Abstand von etwa 1 Meter eine ebenfalls mit weissem Kalkmörtel verputzte Lehmziegelmauer, die den "heiligen" Pyramidenbezirk nach aussen hin abgrenzen sollte.

Ausschnitt aus der Wanddekoration der Grabkapelle des Teti. (Foto: DAI Kairo)
Ausschnitt aus der Wanddekoration der Grabkapelle des Teti. (Foto: DAI Kairo)

Wiederum nur etwa 1 m südlich dieser Umfassungsmauer wurde eine kleine, aus Lehmziegeln errichtete Grabkapelle entdeckt, auf deren inneren Wänden sich noch Reste der ursprünglichen Wandmalerei fanden. Diese sind begleitet von hochinteressanten hieroglyphischen Inschriften, die uns nicht nur die Identität des Besitzers dieser Kapelle, sondern auch einen ersten Hinweis auf den Bauherrn des benachbarten Pyramidengrabes gaben. Die Kapelle wurde errichtet von einem Mann namens Teti, dessen Titel- und Berufsangaben ihn als einen der höchsten Beamten seiner Zeit ausweisen: "Regent, Fürst, Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten, Einziger Freund (d.h. des Königs), Schatzmeister". Teti, dessen privilegierte Stellung am Hof schon allein durch die unmittelbare Nähe seiner Grabkapelle zur Pyramide seines Souveräns zum Ausdruck kommt, vergass auch nicht, diesen namentlich zu erwähnen; an prominenter Stelle innerhalb der Grabkapelle und fast etwas überdimensioniert befindet sich einer der Namensringe ("Kartuschen") seines Königs abgebildet:NUB-CHEPER-RE.

Zeichnerische Rekonstruktion der Kartusche des NUB-CHEPER-RE. (Zeichnung: DAI Kairo)
Zeichnerische Rekonstruktion der Kartusche des NUB-CHEPER-RE. (Zeichnung: DAI Kairo)
Kopf einer Königsstatue aus der Verfüllung des Schachtes. (Foto: DAI Kairo)
Kopf einer Königsstatue aus der Verfüllung des Schachtes. (Foto: DAI Kairo)

Aus der unmittelbaren Umgebung der Pyramide des Nub-Cheper-Re Intef, wie der vollständigere Name des Königs lautet, der Kapelle des Teti sowie aus dem gänzlich verfüllten Schacht konnten grosse Mengen an Fundmaterial geborgen werden. In erster Linie handelt es sich dabei um verschiedene Keramikgefässe, u.a. auch rot polierte Flaschen der Kultkeramik, die für den posthumen Totenkult des Königs verwendet wurden. Allein von diesem Typ liessen sich über 250 Exemplare bergen.

Ebenfalls in der Verfüllung des Schachtes fand sich auch der stark beschädigte Kopf einer Königsstatue aus Sandstein, in dessen Gesicht sich noch Reste der roten Bemalung erhalten haben.