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MISR: Mission Siptah - Ramses X.. Drei königliche Gräber und eine Ansammlung von Arbeiterhütten im Tal der Könige (Luxor)

von Hanna Jenni - 20.8.2001

Die Arbeiterhütten in der Umgebung des Grabes Ramses' X. (KV 18)

Arbeiterhütten östlich von KV 54 nach der Restaurierung. (Photo: Elina Paulin-Grothe)
Arbeiterhütten östlich von KV 54 nach der Restaurierung. (Photo: Elina Paulin-Grothe)

Nachdem in der Kampagne 1999/2000 die Arbeit im Grab Ramses' X. abgeschlossen werden konnte und die Publikation erschienen ist, wurde die Grabung in der Umgebung dieses Grabes KV 18 in der während der Kampagne 2000/2001 fortgesetzt. Die heutige Grabungspolitik ist zurecht die, wonach sich Untersuchungen nicht auf die Gräber und den umittelbaren Eingangsbereich beschränken sollen. Seit der Zeit der Anlage der Gräber und bis in die heutige Zeit ist im Tal der Könige viel Material bewegt worden: antikes Aushubmaterial wie auch Schutt, der von verschiedenen Ausgräbern mal hierhin, mal dorthin bewegt wurde. Das gesamte Gebiet des Tals der Könige lag ursprünglich um einiges tiefer, und die Landschaft böte einen etwas anderen Eindruck, würde man diesen «Abfallschutt» konsequent entfernen.

Bildostrakon aus der Umgebung des Grabes Ramses' X. (KV 18). (Photo: Hanna Jenni)
Bildostrakon aus der Umgebung des Grabes Ramses' X. (KV 18). (Photo: Hanna Jenni)

Das Areal wurde also bis auf den anstehenden Fels abzugraben begonnen und das durchsuchte Material auf dem Anhänger eines Traktors aus dem Tal hinausbefördert. Bereits in den ersten beiden Kampagnen wurden südlich des Grabeinschnittes von KV 18 mehrere Mäuerchen gefunden, die sich ostwärts erstrecken und zu einer Ansammlung von Arbeiterhütten gehören. Sie liegen auf zwei Terrassen und haben einen Treppenzugang von Nordwesten her. Während der Kampagne 2000/2001 entpuppte sich das kleine Wadi, das sich östlich von KV 18 und KV 54 (der sogenannten embalming cache Tutanchamuns) nach Süden erstreckt, als eine Ansammlung von Räumen, die bisher unentdeckt geblieben war. Arbeiterhütten im Tal der Könige sind zwar nicht neu - man hat auch an anderen Stellen Überreste gefunden -, aber neu ist das Ausmass und die Situationskohärenz, sind es doch insgesamt etwa 35 kleine Räume von ca. 1,5 mal 1,7 m, die ein zusammenhängendes Ganzes bilden.

Die Mauern sind ca. 50-60 cm hoch erhalten. Um sie zu schützen und um ein besseres Bild zu vermitteln, wurden sie mit Kalkstein und Mörtel leicht ergänzt und gefestigt. Am oberen Ende schliesst zum Schutz vor Regenwasser ein Damm aus grossen Steinen diese kleine Siedlung ab. Nach dem bisherigen Eindruck dürften es Konstruktionen gewesen sein, die den Arbeitern, welche die Königsgräber anlegten und dekorierten, als Platz dienten, um Skizzen anzufertigen, Mahlzeiten einzunehmen, ein Nickerchen zu machen, den Wachhabenden zum Nächtigen und zur Aufbewahrung von Proviant und Werkzeugen.

Wandfragment aus dem Grab Sethos' I (KV 17).
Wandfragment aus dem Grab Sethos' I (KV 17).

Die Arbeiter werden mit Ausnahme von Wachen im Dienst hier nicht wirklich gewohnt haben, sondern ausserhalb des Tals der Könige, in der Arbeitersiedlung von Deir el-Medina. Von der Untersuchung der Funde ist darüber genauerer Aufschluss zu erwarten. Bei der Mehrzahl handelt es sich um Kalkstein-Ostraka mit Bildern und Texten aus spätramessidischer Zeit. Besonders wertvoll ist natürlich, dass sich Objekte in situ in den Hütten fanden, so z.B. Geschirr, Knochen, Ostraka und kleine Stelen mit den Gottheiten Ptah, Amun und Meretseger.Die Dokumentation der Fundobjekte und deren Untersuchung im Zusammenhang mit der Arbeitersiedlung erfolgt seit Frühjahr 2002 mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaften.Im Bereich zwischen KV 18 und dem berühmten Grab Sethos' I. (KV 17, «Belzoni's tomb») wurden Fragmente von der Wanddekoration und der Decke von KV 17 sowie Objekte, die zur Grabausstattung Sethos' I. gehörten, gefunden. An den Fragmenten der Wände ist die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben erhalten geblieben.