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MISR: Mission Siptah - Ramses X.

Drei königliche Gräber und eine Ansammlung von Arbeiterhütten im Tal der Könige (Luxor)

20.8.2001

 

Das Projekt «MISR: Mission Siptah - Ramses X.» hatte zunächst, wie der Name sagt, zum Ziel, die Gräber der beiden Pharaonen Siptah und Ramses X. vollständig auszugraben und zu publizieren. Aus den zwei sind nun vier Teilprojekte geworden. Von 1998/1999 bis 2001/2002 fanden vier Kampagnen im Tal der Könige statt.

  • Die Dokumentation des 100 m langen und ursprünglich fast vollständig dekorierten Grabes Siptahs (KV 47) ist noch im Gange. Während der Kampagne 2001/2002 wurde mit der Ausgrabung des Eingangsbereichs begonnen.
  • Bei der Anlage dieses Grabes zur Zeit des Königs Siptah wurde ein älteres tangiert. Dieses undekorierte Grab KV 32, das bisher keinem Besitzer/keiner Besitzerin zugeschrieben werden konnte, kann neuerdings mit guten Gründen einer Königin der 18. Dynastie zugeordnet werden: der Gemahlin Amenophis' II., Tiaa.
  • Die Ausgrabung und Dokumentation des Grabes Ramses' X. (KV 18) ist abgeschlossen; im Jahr 2000 erschien die Publikation. Während der Kampagne 2001/2002 wurde mit der Reinigung des Architravs des Grabeingangs begonnen. Zudem wurden die Elektroanlagen untersucht.
  • Bei der Ausgrabung in der Umgebung des Grabes Ramses' X. kamen Arbeiterhütten und Objekte aus dem Grab Sethos' I. (KV 17) zum Vorschein. Die bisher unentdeckt gebliebenen Arbeiterhütten versprechen interessante Aufschlüsse über die Art der «Bewohnung» des Tals der Könige. Das Grab Sethos' I. ist neben demjenigen Tutanchamuns das berühmteste im Tal der Könige («Belzoni's tomb»).

 

Alle Mitarbeiter des Projektes MISR gehören dem Ägyptologischen Seminar der Universität Basel / Schweiz an:

 

Dr. Hanna Jenni (Koordinatorin), lic.phil. Elina Paulin-Grothe (Grabungsleiterin), lic.phil. Andreas Dorn, Dr. Barbara Lüscher, Prof. Dr. Thomas Schneider

Das Projekt «MISR: Mission Siptah - Ramses X.» wird unterstützt von:

Das Grab Siptahs (KV 47)

Das Grab KV 47, das im westlichen Teil des sogenannten Osttales liegt, war die letzte Ruhestätte des zweitletzten Königs der 19. Dynastie namens Siptah (1198-1194 v.Chr.). Es wurde 1905 von Edward R. Ayrton entdeckt und bis zu dem Raum vor der Sarkophaghalle ausgeräumt. Man hörte damals auf, die Anlage von dem durch Schwemmschichten verfüllten harten Schutt zu befreien, weil man befürchtete, die Sarkophagkammer könnte einstürzen. 1912 hat Harry Burton dann die Sarkophaghalle geräumt; dabei kam der grosse Sarkophag zum Vorschein. In diesem Zustand ist das Grab von 100 m Länge bisher geblieben.

KV 47 weist folgende Abfolge auf (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterPlan mit Schnitt und isometrische Zeichnung): Nach dem Treppenabgang (gezählt als Korridor A) folgen zunächst drei Korridore: B geneigt, C flach, D wieder geneigt. In den Korridoren B und C ist die Dekoration fast vollständig erhalten und besonders farbfrisch.

KV 47, Das Titelbild der sogenannten Sonnenlitanei. (Photo: Daniel Infanger)
KV 47, Das Titelbild der sogenannten Sonnenlitanei. (Photo: Daniel Infanger)
KV 47: Durchbruch zu KV 32 (modern verschlossen). (Photo: Daniel Infanger)
KV 47: Durchbruch zu KV 32 (modern verschlossen). (Photo: Daniel Infanger)

Schachtraum E, Pfeilerraum F , der Abgang vom Pfeilerraum F in den Korridor G, die ursprünglich ebenen Korridore G und H und auch die Vorhalle I sind sehr stark zerstört. In diesem unteren Teil des Grabes sind die Decken gewölbeförmig ausgebrochen. Dadurch und weil das Fussbodenniveau höher ist als original, hat man einen etwas anderen Raumeindruck, als man ihn von dem Besuch in anderen Königsgräbern in Erinnerung hat. Zu diesem Raumeindruck trägt auch die ungewöhnliche Länge des zweiten Teils des Grabes bei, die nicht nur durch das Vorhanden sein von zwei Korridoren im unteren Teil des Grabes versursacht ist - das kommt auch bei anderen ramessidischen Gräbern vor -, sondern v.a. durch das Vorhandensein eines zusätzlichen Raumes.

KV 47, Geier und geflügelte Schlangen an der Decke des Korridors B. (Photo: Daniel Infanger)
KV 47, Geier und geflügelte Schlangen an der Decke des Korridors B. (Photo: Daniel Infanger)
KV 47, Reste der Wanddekoration in Raum J1. (Photo: Elina Paulin-Grothe)
KV 47, Reste der Wanddekoration in Raum J1. (Photo: Elina Paulin-Grothe)

Wer sich in ramessidischen Königsgräbern auskennt, erwartet ja, nach dem Korridor H und einem Vorraum die Sarkophaghalle zu betreten. Es folgt aber ein länglicher Raum, der etwas breiter ist als die Korridore und dominiert ist von einem Loch in ca. 2 m Höhe in der linken Wand. Es ist ein Durchbruch zu dem Grab KV 32. Dieser Raum J1 ist in der Raumabfolge singulär und höchst wahrscheinlich ungeplant gewesen, wie der Zusammenstoss mit dem zu Siptahs Zeit bereits bestehenden KV 32 nahelegt.

KV 47: Ausgrabung gegenüber dem Grabeingang (links hinten). (Photo: Elina Paulin-Grothe)
KV 47: Ausgrabung gegenüber dem Grabeingang (links hinten). (Photo: Elina Paulin-Grothe)

Die Sarkophaghalle J2 ist unfertig geblieben. Es fehlt quasi die hintere Abschlusswand. Nur die vordere Reihe von vier Pfeilern, die Wandbänke auf drei Seiten und das Deckengewölbe in der Querachse sind fertig. Die vier vorhandenen Pfeiler sind allerdings nur noch in Resten vorhanden. Die Sarkophaghalle wird von dem monumentalen Sarkophag dominiert.

Der Raum J1 weist entgegen älteren Darstellungen Reste von Dekoration auf. Es handelt sich um Abschnitte des Unterweltsbuches Amduat. Der Erhaltungszustand ist allerdings prekär, so dass die Wände zuerst konsolidiert werden mussten.

Während der Kampagne 2001/2002 wurde mit der Untersuchung und Räumung des Schutts ausserhalb des Grabes, gegenüber dem Eingang, begonnen. Die Höhe der Schuttschicht beträgt in diesem Bereich bis zu 5m. Hier wurden spärliche Reste eines Arbeitercamps der 19. Dynastie entdeckt.