13.02.2012 - 21:55:12

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
»Klangschaften« im archäologischen Befund?.

von Dietrich Hakelberg - 24.10.2000

Nicht alle Schallgeräte haben mit Musik zu tun. (Foto: D. Hakelberg)
Nicht alle Schallgeräte haben mit Musik zu tun. (Foto: D. Hakelberg)

Durch Klangschaftskonzepte, wie sie Murray Schafer oder Reinhard Strohm vertreten haben, wurde auf die akustischen Dimensionen einer Kultur hingewiesen: wenn es eine materielle (Kultur)Landschaft gibt, dann gibt es in dieser fühlbaren Umwelt auch eine immaterielle "Klangschaft", die hörbar ist: Mörserstampfen, Mühlenklappern, das Pfeifen eines Zuges, Kindergeschrei, oder das Spiel einer Kapelle beispielsweise. Das Stampfen eines Dampfschiffes hört sich anders an als das Knarren eines Segelschiffes, und ein neolithisches Dorf klingt - und riecht - vermutlich anders als eine mittelalterliche Stadt. Ländliche Klangschaften werden sich durch Stille von lärmenden städtischen unterscheiden und industrielle Klangschaften aller Wahrscheinlichkeit nach von solchen aus vorindustrieller Zeit.

Verschiedenste Geräusche, Musik und Sprache mischen sich zu Klangschaften, die als orts-, zeit- oder kulturtypisch anzusehen sind. Familie, Arbeitsplatz, und Orte des Kultus etwa haben typische Klangschaften, die sich im Laufe von Tageszeiten und saisonal ändern können oder zyklisch wiederkehren, wie z. B. Glockengeläut. Klänge dienen als Signale, Musik der Unterhaltung oder dem Kultus. Jahrzehnte historischer und prähistorischer Geschichte sind von der Klangschaft geprägt worden, die den Krieg begleitet. Natürliche und künstliche Schallquellen aller Art sind die materiellen Urheber und damit theoretisch archäologisch nachweisbar. Archäologische Nachweisbarkeit garantiert aber nicht die Rekonstruierbarkeit von Geräuschen, Klängen, Sprache oder gar Musik vergangener Zeiten.