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Ex oriente lux ?. Aulos und Leier im prähistorischen Spanien

von Sabine Schuster - 24.10.2000

Aulos

Herstellung eines Doppelrohrblatt-Mundstückes
Herstellung eines Doppelrohrblatt-Mundstückes

Der Aulos, respektive der Doppelaulos, ist ein Blasinstrument (Aerophon) mit Doppelrohrblatt-Mundstücken, das vorwiegend paarig gespielt wurde, und letztlich ein Vorläufer der modernen Oboe ist. Das Spiel stellt besondere Ansprüche an die Physis der Spielerin oder des Spielers, denn es ist ein kräftiger und konzentrierter Atem notwendig, um den Luftstrom durch den engen Spalt zwischen den Rohrblättern hindurchzupressen. Dabei wird im Mundraum, den Wangen, letztlich im gesamten Kopf extrem hoher Druck aufgebaut, was, wie schon in der Antike beschrieben, zu einem „unschönen Gesichtsausdruck“ führen kann (Becker 1966).

Im griechischen, römischen, ägyptischen und orientalischen Kulturkreis war das Instrument weit verbreitet und ist über einen Zeitraum von etwa 3000 Jahren belegt (Becker 1966). Zahlreiche Originalinstrumente sind komplett oder fragmentarisch erhalten, und unzählige ikonographische Darstellungen sowie antike Schriftquellen zu Bau, Gebrauch und Spielweise ergänzen diese Quellen (Neubecker 1977). Man weiß, daß als Baumaterial Holz, Knochen, Elfenbein und Metall Verwendung fand, und daß die Ägypter Schilfrohr bevorzugten, das im holzarmen Ägypten im Überfluß vorhanden war. Die Zahl der Grifflöcher variiert zwischen vier und zwölf, wobei späte Modelle mit aufwendiger Mechanik versehen waren, um eine Erweiterung des Tonvorrates auf bis zu 24 Töne zu ermöglichen. Der Aulos wurde in der Antike vielfältig eingesetzt, zur Gesangsbegleitung, zu kultischen Anlässen, aber auch in der Volks- und Tanzmusik: ein echtes Allround-Instrument.

Welchen Stellenwert der Aulos im prähistorischen Spanien hatte, aus welchem Material er hier gebaut wurde, oder ob er vielleicht sogar vornehmlich importiert war, läßt sich aus den heute bekannten Quellen nicht ersehen. Auch sind bislang noch keine Originalistrumente bekannt geworden. Einzige Belege sind bildliche Darstellungen. Leider sind diese aber nicht ausreichend präzise, um instrumentenbauliche Details zu klären, wie zum Beispiel die Frage nach der Konstruktion des Mundstückes, das eine typologisch zweifelsfreie Zuordnung ermöglichen würde. Obwohl nämlich die Darstellungen übereinstimmend als Auloi interpretiert werden, ließen diese sich durchaus auch als Doppelflöten deuten, da das eigentliche Charakteristikum - das Doppelrohrblatt-Mundstück - als solches nicht erkennbar ist (eine Überlegung, die sich übrigens bei einem Großteil antiker Aulosdarstellungen anstellen ließe !). Bleiben wir dennoch bei der gängigen Zuordnung als Aulos.