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Ex oriente lux ?

Aulos und Leier im prähistorischen Spanien

24.10.2000
Leier (Nachbau)
Leier (Nachbau)

Im äußersten Westen Europas gelegen, klimatisch begünstigt und mit Rohstoffen reich gesegnet, war die Iberische Halbinsel von jeher ein bevorzugter Siedlungsraum, der zu jeder Zeit Händler, Eroberer und Abenteurer anzog. Besonders die Gebiete der küstennahen Erzvorkommen Andalusiens und der westlichen Sierra Morena gerieten auf diese Weise in den Sog der rohstoffhungrigen Länder des östlichen Mittelmeerraumes, und wurden in ihrer kulturellen Entwicklung spätestens seit Beginn der Metallzeiten deutlich dadurch geprägt. Die ehemals hervorragenden, heute aber verlandeten Naturhäfen an der Küste zwischen der Guadalquivirmündung im Westen und Cartagena im Osten boten ideale Voraussetzungen für den Fernhandel mit Erzen und landwirtschaftlichen Produkten aller Art. So war der Süden der Iberischen Halbinsel spätestens seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. als eine Art Drehscheibe des prähistorischen Handels eng mit den Kulturen des Ostmittelmeerraumes verbunden, und zumindest im Umfeld der Handelsniederlassungen und Bazare der Küstenregion mag sich ein exotisch-orientalisches Flair verbreitet haben. Es läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob das einheimische Musikleben Einfluß auf die Länder am östlichen Mittelmeer hatte, daß aber umgekehrt das Musikleben der Fremden seine Spuren auf der Iberischen Halbinsel hinterlassen hat, spiegeln die archäologischen Hinterlassenschaften jener Zeit. So tauchen etwa im 8. Jahrhundert v.Chr. die Leier, und im 6./5. Jahrhundert v.Chr. der Aulos, anscheinend ohne einheimische Vorläufer, in bildlichen Darstellungen im Süden und Südwesten der Iberischen Halbinsel auf.