Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Vom Dorf zur Stadt. Die Urbanisierung Syriens im Verlauf der Frühen Bronzezeit IV (ca. 2400/2300 - ca. 2000 v. Chr.)

16.12.2000

Die Stadt - Möglichkeiten einer Charakterisierung

Eine für alle Städte gültige einheitliche Definition der Stadt ist nicht zu leisten, wohl aber die Zusammenstellung von Kategorien und Kriterien, die charakteristische Merkmale und Funktionen altorientalischer Städte umfaßt. Im Transformationsprozeß von dörflichen zu urbanen Strukturen führt u.a. ein Anwachsen der Bevölkerung zu qualitativem Wandel in den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Organisationsformen. Die Siedlungsweise "Stadt" impliziert die Ausbildung eines vielfältigen Spektrums an Funktionen, die wachsende soziale Differenzierung mit sich bringt und die das Miteinander und die wechselseitigen Beziehungen der Menschen zunehmend auf der Basis der Funktionen und nicht mehr vorwiegend aufgrund sozialer Bindungen wie Verwandtschaft, Zugehörigkeit zum selben Dorf oder zur selben Gemeinschaft regelt. Die "Überwindung" einer Gesellschaftsorganisation, die primär auf den verwandschaftlichen Bindungen beruhte, ermöglichte erstmals die qualitativ neue Form der gesellschaftlichen (städtischen) Orga-nisation und die Ausbildung von zunehmend formalen und sekundären Sozialbeziehungen. Es entstanden also neue Formen des Zusammenlebens und neue Formen der gesellschaftlichen Integration. Zur Durchsetzung normativer Regelwerke, die das Miteinander lenkten und zur Sicherung der Kommunikationen auf allen Ebenen der Gesellschaft beschritt man in der Stadt andere Wege als in den dörflichen Ansiedlungen. Administrative Eliten etablieren sich, und zunehmend führten funktionale und ökonomische Differenzierung zur Herausbildung fester Machtstrukturen. Die Stadt wurde Sitz der "disziplinierenden Gewalt" (Giddens 1995:198).

Im Bereich der Wirtschaft waren es Mehrwertproduktion, Warenwirtschaft und Redistribution, die in Wechselwirkung miteinander im Urbanisierungsprozeß zur Geltung kamen. Stadt und Land standen in enger wirtschaftlicher Abhängigkeit zueinander. Die Konzentration der politischen und religiösen Elite in der Stadt beeinflußte die Entwicklung des Handwerks, des Handels und der Verwaltung. Eine breite Vielfalt von Berufen und Tätigkeiten entstand und es waren nicht zuletzt die politischen und ökonomischen - und sicher auch die religiösen Aufgaben, die die Charakterisierung einer Siedlung als Stadt ausmachten und sie von der dörflichen Siedlungsform und Lebensweise absetzten.