13.02.2012 - 19:03:05

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Tadmor - Palmyra. Rundgang durch eine antike Stadt

von Marcus G. Meyer - 16.12.2000

Palmyra: Fahnenheiligtum (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Fahnenheiligtum (Foto: M. Meyer)

Am westlichen Stadtrand außerhalb der mittelkaiserzeitlichen Stadt liegt das zwischen 293 und 303 errichtete 4-5 ha große Legionslager, das sog. "Diokletianslager" (15). Neben Kasernen, Getreidespeichern und Tetrapylon sind insbesondere das Stabsgebäude und der Allat-Tempel sehenswert: An höchstgelegener Stelle steht die Ruine des Stabsgebäudes, das zu den am besten erhaltenen seiner Art im römischen Reich gehört. Es umfaßt zwei Teile auf unterschiedlichem Niveau. Vom niedriger gelegenen Innenhof gelangt man über eine Freitreppe durch die große Querhalle in das Fahnenheiligtum. Zu beiden Seiten befanden sich Verwaltungsräume. An der Südseite ist ein Turm angebaut, der eine gute Rundsicht bietet. Der Allat-Tempel (16) stammt bereits aus dem 1. Jh. v. Chr.; das Legionslager wurde um ihn herum errichtet. Im Tempel fand man eine Athenastatue sowie eine große Löwenskulptur, die das Tor zum heiligen Bezirk bewachte. Die Anlage wurde im 4. Jh. zerstört.

Palmyra: Löwenskulptur aus dem Allat-Tempel (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Löwenskulptur aus dem Allat-Tempel (Foto: M. Meyer)

Vor den Toren außerhalb des Stadtgebiets befinden sich die verschiedenen Gräberfelder, die nach ihrer Lage als Nord-, Südost-, Südwest- und Westnekropole (das sog. "Tal der Gräber") bezeichnet werden. Letzteres beeindruckt durch seine zahlreichen gut erhaltenen Grabtürme.

Es lassen sich drei grundsätzlich verschiedene Typen begehbarer Grabmäler unterscheiden, die teils zu unterschiedlichen Zeiten, teils gleichzeitig nebeneinander existierten:

Die Turmgräber oder Grabtürme, eine palmyrenische Besonderheit, wurden nach den Bauinschriften von 9 v. Chr. bis 128 n. Chr. errichtet (Foto). Sie besaßen bis zu fünf Stockwerke, die über Wendeltreppen zu begehen waren. Oben befand sich eine flache Dachterrasse. Die bis auf die Eingangsfassade außen meist schlichten Türme wiesen im Innern oft reichen Architekturdekor und Skulpturenschmuck auf (Foto). Es handelte sich um Familien- oder Stammensgrabstätten, in denen bis zu 400 Tote in "Schiebegräbern" (loculi), jeweils 4-6 übereinander angeordnet, beigesetzt wurden. Die loculi waren mit Ton oder Steinplatten verschlossen, die das Bildnis des verstorbenen Menschen trugen (Foto; Mus. Istanbul). Sehenswert sind die Grabtürme des Iamblik (Nr. 51) und des Elahbel (Nr. 13). In den Grabtürmen haben sich die Reste kostbarer Textilien erhalten.

 

Palmyra: Tal der Gräber (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Tal der Gräber (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Hypogäum der drei Brüder (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Hypogäum der drei Brüder (Foto: M. Meyer)

Die unterirdischen Grabanlagen (Hypogäen) wurden nach den Inschriften zwischen 81 und 232 n. Chr. errichtet. Hinter monumentalen Steintüren verbargen sich Grabkammern mit reicher Bauornamentik oder Bemalung (Foto). Wie in den Grabtürmen bestattete man die Toten in loculi. Zusätzlich wurden gegen Ende des 2. Jh. oft große steinerne Sarkophage oder Triclinia in den Hypogäen aufgestellt. Sehenswert ist das Hypogäen der drei Brüder.

Palmyra: Grabturm des Iamblik (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Grabturm des Iamblik (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Grabturm des Iamblik (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Grabturm des Iamblik (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Steinplatte eines Ioculus (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Steinplatte eines Ioculus (Foto: M. Meyer)

Von den Tempel- oder Hausgräbern sind heute meist nur unansehliche "Trümmerhaufen" übrig. Ursprünglich besaßen sie aber aufwendig gestaltete Fassaden in Tempelform und einen axialzentrierten säulenumstandenen Innenhof. In der Antike betrug ihre Anzahl etwa die Hälfte der oberirdisch sichtbaren Grabanlagen Palmyras. Nach den Bauinschriften wurden sie zwischen 143 und 253 n. Chr. errichtet. Besonders wichtig ist das erst in jüngerer Zeit ausgegrabene Hausgrab Nr. 36 im Tal der Gräber von etwa 210/220 n. Chr. Die Erforschung des ca. 20x20 m großen und reich ausgestatteten Gebäudes zeigte u. a., dass Textilmuster als Vorlage für dekorative Architekturornamentik und den Skulpurendekor dienten.