13.02.2012 - 19:10:25

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Tadmor - Palmyra. Rundgang durch eine antike Stadt

von Marcus G. Meyer - 16.12.2000

Palmyra: sog. Hadrianstor mit Säulenstraße im Hintergrund (Foto: M. Meyer)
Palmyra: sog. Hadrianstor mit Säulenstraße im Hintergrund (Foto: M. Meyer)

Vom Bel-Tempel aus führt quer durch das römische Stadtgebiet die prächtige Säulenstraße (2). Sie besteht aus mehreren geraden Teilstücken, deren Richtungsänderungen durch das Tetrapylon (9) und das große Bogentor (sog. Hadrianstor [3]) kaschiert wurden. Als die Säulenstraße zu verschiedenen Zeiten im 2. Jh. n. Chr. errichtet wurde, mußte sie auf bestehende Gebäude Rücksicht nehmen. Der besterhaltenste Teil (2b) zwischen Bogentor und Tetrapylon stammt aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. Ein 11 m breiter ungepflasterter Mittelgang wird von zwei etwa 7 m breiten Portiken flankiert. An den Säulen befinden sich kleine Basen für heute verschollene Statuen von Geldgebern der Kolonnade oder von ausgezeichneten Palmyrenern, die in den darunter angebrachten zwei- oder manchmal sogar dreisprachigen Inschriften genannt werden.

Palmyra: Säulenstraße (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Säulenstraße (Foto: M. Meyer)

Südwestlich des großen Bogentores stand der Tempel des Nabo, bzw. Nebo (4), eine ursprünglich mesopotamische Gottheit der Schrift, Weisheit und Macht, die in Palmyra mit Apollo gleichgesetzt wurde. Das Hofheiligtum besaß einen monumentalen Eingang an seiner Südseite. Seine Orientierung bezieht sich wahrscheinlich auf die südlich gelegene, kaum erforschte hellenistische Stadt.

Der Zugang erfolgt durch einen Torbau mit sechs Säulen. Der Hof besteht aus gestampfter Erde und weist einen Brunnen mit breitem Rand für rituelle Waschungen auf. In der Achse der Cella steht ein restaurierter monumentaler Säulenaltar. Der Tempel selbst erhebt sich auf einem profilierten Podium von 2,15 m Höhe. Sein Peristyl aus 32 korinthischen Säulen mißt 20,60 auf 9,15 m. Man betrat die Cella über eine monumentale elfstufige Freitreppe zwischen zwei Zungenmauern. Die unteren Stufen trugen einen kleinen Altar, wie dies auch beim Bel-Tempel der Fall war. Im Hintergrund der Cella befand sich die Kultnische, die von zwei Treppentürmen flankiert war.

Anhand von Inschriften und des Baubefundes läßt sich die Geschichte des Heiligtums von der Errichtung des ersten Tempels im letzten Viertel des 1. Jhs. n. Chr. bis in den Beginn des 3. Jhs. n. Chr. lückenlos verfolgen.