15.12.2017 - 20:55:54

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Tadmor - Palmyra

Rundgang durch eine antike Stadt

16.12.2000
Oase Tadmor mit den Ruinen von Palmyra (Foto: M. Meyer)
Oase Tadmor mit den Ruinen von Palmyra (Foto: M. Meyer)

Inmitten der syrischen Wüste zwischen Mittelmeer und Euphrat befindet sich die Oase Tadmor mit den Ruinen der antiken Stadt Palmyra. Seine Existenz verdankt der Ort den Efqa-Quellen, die bereits in der Antike die einzige Wasserstelle weit und breit darstellten. Daher war der Platz Anlaufstelle für die großen Handelskarawanen, die zwischen Euphrat und Mittelmeer durch die syrische Wüste zogen. Verhandelt wurden in erster Linie, die im römischen Reich begehrten Luxusgüter wie Seide, Gewürze, Edelsteine, Parfüme, Elfenbein, Sandelholz u. a. Besonders in der römischen Kaiserzeit entwickelte sich die Route über Palmyra zu einem wichtigen Handelsweg zwischen Ost und West. Dieser wurde von palmyrenischen Kaufleuten beherrscht, die dadurch große Gewinne erzielten. Von deren Reichtum zeugen noch heute die zahlreichen Ruinen der großen steinernen Bauwerke und aufwendigen Grabdenkmäler.

Palmyra: Turmgräber (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Turmgräber (Foto: M. Meyer)

Die Stadt stellte in der Antike ein Bindeglied zwischen dem römischen Reich im Westen und dem parthischen Reich im Osten dar. Westliche Einflüsse zeigen sich in der Architektur; Skulptur, Malerei sowie Religion und Kult besitzen mehrheitlich östliche Wurzeln. Die Vermischung der verschiedenen Elemente findet sich in Palmyra an den Steindenkmälern an vielen Stellen.

Das heutige Tadmor mit ca. 30.000 Einwohnern wurde zu Beginn des 20. Jh. unter französischer Herrschaft außerhalb der antiken Stadtanlage gegründet, weshalb fast das gesamte Ruinenfeld von Palmyra vor der modernen Zerstörung bewahrt werden konnte. Einige seit der Antike in weiten Teilen erhalten gebliebene oder in neuerer Zeit teilweise wiederaufgebaute Gebäude vermitteln einen Gesamteindruck von einer Stadt des Altertums, wie er nur an wenigen Orten noch in dieser Art zu gewinnen ist.

Palmyra: Beltempel (Foto: M. Meyer)
Palmyra: Beltempel (Foto: M. Meyer)

Die Ursprünge der Siedlung reichen bereits in das Neolithikum zurück. Zu Beginn des 2. Jahrtausend v. Chr. wurde "Tadmor" in assyrischen Verträgen genannt. Aus der hellenistischen Zeit kennt man bislang nur wenige Überreste, die unmittelbar südlich der römischen Stadt entdeckt wurden. 64 v. Chr. richtete Pompeius die Provinz Syria ein, aber Palmyra geriet erst einige Jahrzehnte später unter den Einfluß Roms. Ab dem 1. Jh. n. Chr. und insbesondere in der Blütezeit ab dem 2. Jh. fand der großzügige Ausbau der Stadt in Stein statt. 129 besuchte der Kaiser Hadrian Palmyra. Von 260-272 war es Hauptort des palmyrenischen Sonderreiches unter Septimius Odaenathus und seiner Gattin Zenobia. 272/273 besiegte Aurelian, der offizielle römische Kaiser, das palmyrenische Sonderreich und eroberte die Stadt zurück. In dieser Zeit verlor Palmyra seine Bedeutung als Handelsplatz, da die Karawanen andere Routen wählten. Um 300 n. Chr. wurde unter dem Kaiser Diokletian im höchst gelegenen Teil der Stadt ein Legionslager errichtet und die Stadtmauer erneuert. Im Jahre 634 wurde die Stadt muslimisch. Sie lebte als kleine arabische Siedlung im antiken Stadtgebiet weiter. Seine Wiederentdeckung im 17. Jahrhundert verdankt Palmyra Kaufleuten aus Aleppo. Internationale Ausgrabungen fanden ab dem 20. Jh. statt, insbesondere nach der Unabhängigkeit Syriens von 1946. Sie dauern bis heute an, da immer noch große Bereiche der Stadt unerforscht sind.