27.05.2012 - 11:36:27
Kooperation

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Resafa - Pilger und Händler in der syrischen Wüste.

von Stefan Eismann - 16.12.2000

Resafa: Blick auf die Basilika A im Hintergrund (Foto: C. Steinacker)
Resafa: Blick auf die Basilika A im Hintergrund (Foto: C. Steinacker)

Das Ende von Resafa wurde von dem Mongoleneinfall von 1247 eingeläutet, der den Handel und damit auch die Lebensgrundlage der Stadt weitestgehend zum Erliegen brachte. Ende des 13. Jhs. wird Resafa zum letzten mal in Schriftquellen erwähnt. Auf ein marginales Weiterleben in den Ruinen weisen geringe Bauspuren in der Folgezeit hin, u. a. eine notdürftige Moschee.
Von dem Mongoleneinfall zeugt möglicherweise ein einmaliger Versteckfund in einem am Rande des Hofs der Basilika A errichteten Gebäude. Hier fand sich ein Silberschatz aus mehreren Gefäßen, die wahrscheinlich die letzte liturgische Ausstattung der Kirche darstellten.Neben einer Schale, einer Patene und zwei Kelchen ist ein Wappenpokal besonders bemerkenswert. Man konnte diesen anhand seiner Wappen sogar einem Besitzer zuordnen, nämlich Raoul I., Sire de Couzy. Dieser Abkömmling einer französischen Adelsfamilie starb während des dritten Kreuzzugs 1191 in Akkon. Eine Weihinschrift auf dem Stück nennt aber eine Frau mit arabischem Namen, die den Pokal der Kirche des hl. Sergios gestiftet hat. Die Geschichte dieses Fundstücks ist symptomatisch für den Abstieg Resafas von einem Prunkstück des Morgenlandes über ein unbedeutendes Regionalzentrum zu einem Haufen vergessener Ruinen im Wüstensand.
An der Wiederentdeckung Resafas haben vor allem deutsche Archäologen ihren Anteil. Seit 1952 finden hier von ihnen geleitete Ausgrabungen statt, während denen die hier beschriebenen Gebäude erforscht wurden und so allmählich die ehemalige Bedeutung dieses Ortes wieder in das Bewußtsein geholt wurde.

S. Eismann

Literatur:

  • G. Brands, Martyrion und Bischofskirche. Anmerkungen zur Architektur und Bauornamentik des Zentralbaus von Rusafa. In: Akten des 12. Internationalen Kongresses für Christliche Archäologie (Münster 1995) 590-97.
  • B. Brenk, Der Kultort, seine Zugänglichkeit und seine Besucher. In: Akten des 12. Internationalen Kongresses für Christliche Archäologie (Münster 1995) 69-122.
  • W. Brinker, Zur Wasserversorgung von Resafa-Sergiupolis. Damaszener Mitteilungen 5, 1991, 119-146.
  • W. Karnapp, Die Stadtmauer von Resafa in Syrien (Berlin 1976).
  • W. Karnapp, Deutsche Grabungen und Forschungen in der Ruinenstadt Resafa. Antike Welt 8, 1977, Nr. 4, 17-30.
  • J. Kollwitz, Die Grabungen in Resafa. In: Neue deutsche Ausgrabungen im Mittelmeergebiet und im Vorderen Orient (Berlin 1959) 45-70.
  • M. Konrad, Flavische und spätantike Bebauung unter der Basilika B von Resafa-Sergiupolis. Damaszener Mitteilungen 6, 1992, 313-402.
  • M. Mackensen, Eine befestigte spätantike Anlage vor den Stadtmauern von Resafa: Ausgrabungen und spätantike Kleinfunde eines Surveys im Umland von Resafa-Sergiupolis (Mainz 1984).
  • D. Sack, Die Große Moschee von Resafa - Rusafat Hisam (Mainz 1996).
  • Th. Ulbert, Die Basilika des Heiligen Kreuzes in Resafa-Sergiupolis (Mainz 1986).
  • Th. Ulbert, Der kreuzfahrerzeitliche Silberschatz aus Resafa-Sergiupolis (Mainz 1990).