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Resafa - Pilger und Händler in der syrischen Wüste

16.12.2000
Resafa: Blick auf die Basilika A. Im Hintergrund die Stadtmauer (Foto: C.Steinacker)
Resafa: Blick auf die Basilika A. Im Hintergrund die Stadtmauer (Foto: C.Steinacker)

"Endlich", denkt Ibn Yakub, als er die Stadtmauern von Resafa erblickt. Hell leuchtet ihm die Stadt entgegen, die Bauten aus Gips und Alabaster heben sich deutlich vom Braun der Wüste ab, nicht zu Unrecht besitzt Resafa den Beinamen "weiße Stadt". Die knappe Tagesreise vom Euphrat nach Süden hatte den Händler ausgedörrt, er lechzte nach Wasser. "Wie kann man nur mitten in der Wüste fernab von jedem Fluß eine Stadt für so viele Leute errichten?", ging ihm durch den Kopf.

Resafa konnte im 7. Jh. schon auf eine lange Tradition zurückblicken. Die Identität des arabischen Resafa mit dem "Rasappa" in assyrischen Keilschrifttexten des 9. Jhs. v. Chr. und dem Rezeph des Alten Testaments (2. Könige 19:12 und Isaias 36:12) ist allerdings unbewiesen. Die ältesten archäologisch nachgewiesenen Spuren stammen von einem römischen Militärstützpunkt aus dem 1. Jh. n. Chr. Entscheidend für die Stadtentwicklung in der Spätantike wirkte die Hinrichtung eines hier stationierten Offiziers namens Sergius während der letzten Christenverfolgung um 300 n. Chr. An seinem Grab entwickelte sich ein intensiver Märtyrerkult, in dieser Zeit hieß die Stadt nach ihm auch Sergiopolis. Ab dem 5. Jh. ist sie zudem noch Bischofssitz, seit 636 n. Chr. steht die Stadt unter islamischer Herrschaft.

Aber es waren vor allem Händler wie Ibn Yakub, welche die Stadt am Leben erhielten. Mehrere Karawanenstraßen schnitten sich an diesem Punkt in der syrischen Wüste. Vorbei an den Ruinen des Militärstützpunktes der Ghassaniden, die als arabisches Geschlecht hier die Grenzverteidigung des byzantinischen Reiches besorgten, trottet die Karawane durch das Nordtor. Die drei Meter dicken Mauern umgeben eine Fläche von 21 ha in Form eines unregelmäßigen Rechtecks.

Die Mauern werden von dem Schriftsteller Prokop Kaiser Justinian zugewiesen (de aed. II 9,3-8). Dieser schreibt aber vor allem zum Ruhme seines Herrn, seine Zuweisungen von Bautätigkeiten an Justinian erscheinen oft wenig glaubwürdig. Die Stadtmauern werden von Teilen der Forschung in vorjustinianische Zeit datiert.