13.02.2012 - 20:01:45

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Kreuzfahrer in Syrien. Der Krak des Chevaliers zwischen Homs und Tartus

von Sebastian Brather - 16.12.2000

Angesichts dessen ist die Besonderheit der Kreuzfahrerburgen hervorzuheben. Sie waren nicht mehr oder weniger kleine Herrensitze eines landgesessenen Adels. Die Kreuzritterburgen waren Besatzungsburgen, die der Beherrschung eines rasch eroberten Gebietes dienen sollten. Die massiven Attacken arabischer Herrscher, die sich in ihren Ansprüchen und Machtgrundlagen herausgefordert und bedroht sahen, erforderten gewaltige Verteidigungsbauten. Sie sollten massiven Belagerungen, u. a. mit schweren Belagerungsmaschinen standhalten können und zugleich den christlichen Herrschaftsanspruch demonstrieren. Deshalb wandte man immense, "durchschnittlichen" Adligen in Europa nie zur Verfügung stehende Summen auf, verwandte die neuesten Bautechniken. Dies waren nicht nur europäische Vorbilder, sondern auch nahöstlich-arabische Analogien - schließlich wollte jeder den anderen besiegen und mußte deshalb "verteidigungstechnisch" auf der Höhe der Zeit sein. Nicht alle in der Levante vorkommenden Bauformen lassen sich daher unbesehen zur Rekonstruktion europäischer Burgen übertragen, wenngleich manche Erfahrungen fortgeführt und auch in Europa aufgegriffen wurden.

Ebenso irreführend wie die unbesehene Übertragung der Kreuzfahrerarchitektur ist auch die häufig verwandte Bezeichnung "Franken" für die Kreuzritter. Auch wenn sich dieser Name gelegentlich in zeitgenössischen Texten finden mag, so ist er doch völlig unzutreffend. Die Kreuzfahrer waren ein bunt gemischter Haufen sehr unterschiedlicher sozialer und regionaler Herkunft, die durch eine solch klassifizierende Bezeichnung zusammengefaßt wurden. "Franken" waren dagegen die Stütze des merowingischen und karolingischen Frankenreichs des 5/6. bis 9. Jahrhunderts zwischen Atlantik und Rhein. Zuvor (im 3. und 4. Jahrhundert) wurden damit germanische Plündererscharen am Niederrhein bezeichnet. Später verlor sich das Prestige des Frankennamens, als aus dem früheren Frankenreich allmählich Frankreich und das deutsche Reich entstanden.

Literatur:

  • Adrian J. Boas, Crusader archaeology. The material culture of the Latin East (London 1999).
  • Paul Deschamps, Les châteaux des Croisés en Terre Sainte 1. Le Crac des Chevaliers; 2. La défense du Royaume de Jérusalem; 3. La défense du Comté de Tripoli et de la Principeauté d'Antioche. IFAPO Bibl. arch. et hist. 19, 34, 90 (Paris 1934, 1939, 1973).
  • Robin Fedden/John Thomson, Kreuzfahrerburgen im Heiligen Land (Wiesbaden 1959).
  • Hugh Kennedy, Crusader Castles (Cambridge 1994).
  • Jean Mesqui, Châteaux forts et fortifications en France (Paris 1997).
  • Wolfgang Müller-Wiener, Burgen der Kreuzritter im Heiligen Land, auf Zypern und in der Ägäis (München, Berlin 1966).
  • Joachim Zeune, Burgen. Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg (Regensburg 1996)