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Kreuzfahrer in Syrien. Der Krak des Chevaliers zwischen Homs und Tartus

von Sebastian Brather - 16.12.2000

Abb. 5 Qal'at Marqab. Blick vom Donjon im Süden auf die Kernburg (vorn) und die Bauten der Unterburg (Hintergrund) (Foto: S. Brather)
Abb. 5 Qal'at Marqab. Blick vom Donjon im Süden auf die Kernburg (vorn) und die Bauten der Unterburg (Hintergrund) (Foto: S. Brather)

Nach dem Fall von 1271 wurden vor allem die Belagerungsschäden ausgebessert. Darauf gehen der große, 60 m lange Saalbau (Magazine und Stallungen) zwischen Südmauer und Wasserbecken in der Unterburg zurück, ebenso der dortige runde Südwestturm und der rechteckige sogenannte Baybars-Turm. Neben dieser am meisten gefährdeten Stelle wurde der gesamte östliche Bereich der Unterburg erneuert. Darauf geht der noch heute benutzte Zugang zur Burg zurück. Ein langer tonnengeölbter Gang führt zunächst in die Unterburg und von dort zum Haupttor der Oberburg. Auch das Nordtor zur Unterburg dürfte aus arabischer Zeit stammen. Bis in die Neuzeit wurde die Burg genutzt.

Der Krak des Chevaliers ist bei weitem nicht die einzige Kreuzritterburg im Umfeld des Heiligen Landes. Sie ist aber wohl die am besten erhaltene und deshalb beeindruckendste Anlage des hohen Mittelalters. Eine sehr ähnliche Burg findet sich in Qal'at al-Marqab, etwa 25 km nördlich von Tartus in Küstennähe (Abb. 5). Aufgrund des verwendeten dunklen Basalts erscheint diese Burg sehr düster, ganz anders als der aus Kalkstein bestehende Krak. Marqab kapitulierte als letzte Kreuzritterburg erst 1285. Diese Burg besitzt eine mächtige Kernburg und eine ausgedehnte, dicht besiedelte Vorburg. Ein mächtiger runder Donjon thront im äußersten Süden über der Anlage.

Abb. 6 Saladinsburg (Qal'at Sahyun bzw. Qal'at Salah ad-Din). Blick von Nordwest auf Oberburg (links) und Unterburg (rechts) (Foto: S. Brather)
Abb. 6 Saladinsburg (Qal'at Sahyun bzw. Qal'at Salah ad-Din). Blick von Nordwest auf Oberburg (links) und Unterburg (rechts) (Foto: S. Brather)

Nicht minder eindrucksvoll präsentiert sich die sogenannte Saladinsburg (Saône, Qal'at Sahyun bzw. Qal'at Salah ad-Din) (Abb. 6). Auch sie liegt auf einem Geländesporn, der hier durch einen künstlich in den Fels gehauenen Graben - 18 m breit, 28 m tief, 150 m lang - wohl im hohen Mittelalter abgeriegelt wurde. Die Oberburg überragt ein mächtiger quadratischer Donjon. Aus arabischer Zeit stammen hier Bad und Moschee, denn 1188 eroberte Saldin diese Burg. In der Unterburg liegen ein mittelbyzantinisches Fort und eine Kirche (11. Jahrhundert). Anders als der Krak, Marqab oder Safita war Sahyun nicht im Besitz eines Ritterordens, sondern blieb durch die Zeiten Familienbesitz.

 

Eine Reihe weiterer hochmittelalterliche Burgen haben sich erhalten, zu deren eindrucksvolen Vertretern auch al-Kerak (Jordanien), Beaufort (Libanon), Montfort und Belvoir (Israel) gehören. Die mächtigen Befestigungen, die herausgehobene Lage und die Geschichte der Kreuzzüge weckten besonders im 19. und 20. Jahrhundert das europäische Interesse. Die "Kreuzritterburgen" wurden zum Idealbild mittelalterlicher Burgen schlechthin - weil sie oft besser als westeuropäische Burgen erhalten sind, wegen geringer späterer Nutzung nahezu unverändert blieben und weil sie in eindeutige historische Zusammenhänge gehören. Burgenrekonstruktionen wie im südfranzösischen Carcassonne durch Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879) oder der elsässischen Hohkönigsburg durch Bodo Ebhardt (1865-1945) orientierten sich u. a. an den vermeintlichen nahöstlichen "Vorbildern".