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Kreuzfahrer in Syrien. Der Krak des Chevaliers zwischen Homs und Tartus

von Sebastian Brather - 16.12.2000

Abb. 1 Krak des Chevaliers. Blick von Südwest auf die gesamte Anlage. Im Vordergrund die aus dem 12. Jahrhundert stammende Mauer der Unterburg mit ihren halbrunden Bastionen (Foto: M. Nick)
Abb. 1 Krak des Chevaliers. Blick von Südwest auf die gesamte Anlage. Im Vordergrund die aus dem 12. Jahrhundert stammende Mauer der Unterburg mit ihren halbrunden Bastionen (Foto: M. Nick)

Ein Abschnittsgraben schützt die Burg vor Angreifern vom sich nach Süden fortsetzenden Bergrücken (Abb. 1). Die Anlage besteht aus zwei Teilen: einem äußeren Befestigungsring und der durch eine zweite Mauer geschützten Kernburg. Zwischen beiden Mauern entsteht dadurch ein sogenannter (offener) Zwinger. Aus dem 12. Jahrhundert stammen wesentliche Teile der Kern- oder Oberburg. Dazu gehören die Befestigungsmauern, die innen an dieser Mauer umlaufenden Raumfluchten, das Haupttor im Osten und die Burgkapelle im Nordosten. Von den Türmen dieser Zeit hat sich nur der rechteckige Nordwestturm erhalten. Hinzukam wohl auch noch eine Schildmauer im Süden, die den feindlichen Zugang vom Berg her abriegeln sollte.

Abb. 2 Krak des Chevaliers. Süd-Talus bzw. -Glacis der Oberburg. Links der Südwestturm mit der "Logis du Maìtre" (Foto: S. Brather)
Abb. 2 Krak des Chevaliers. Süd-Talus bzw. -Glacis der Oberburg. Links der Südwestturm mit der "Logis du Maìtre" (Foto: S. Brather)

Im frühen 13. Jahrhundert wurden die Mauern der Unterburg errichtet (Abb. 1). Sie bestehen aus einem polygonalen Mauerzug von 9 m Höhe mit mehreren Verteidigungsgalerien. Diese sind auf der Außenseite durch sehr schmale Schießscharten und durch Pechnasen (Maschikulie) kenntlich. Identische Pechnasen finden sich auch auf der Zitadelle von Aleppo oder in Damaskus. Da all diese Bauten gleichzeitig sind - errichtet etwa im ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts -, ist es schwer, das entscheidende Vorbild auszumachen. Offensichtlich sind jedoch die gegenseitigen Beeinflussungen zwischen arabischer und europäischer Wehrarchitektur - kein Wunder, wenn man die andere Seite besiegen wollte. Halbrundbastionen oder -türme (im Unterschied zu den rechteckigen Türmen des 12. Jahrhunderts) schützen die Mauer, indem sie die Mauerabschnitte zwischen den Türmen durch die Schießscharten beobachten und beschießen können.

Abb. 3 Krak des Chevaliers. Kernburg von Süd mit "Großem Saal" (links), Nordturm (Mitte) und Burgkapelle (rechts) (Foto: S. Brather)
Abb. 3 Krak des Chevaliers. Kernburg von Süd mit "Großem Saal" (links), Nordturm (Mitte) und Burgkapelle (rechts) (Foto: S. Brather)

Ausgebaut wurde auch die Oberburg. Im Süden, der gefährdetsten Stelle, wurde ein gewaltiges Glacis errichtet - eine massive schräge Hangmauer (Abb. 2). Unterhalb des Glacis' befindet sich ein Wassergraben, der sowohl als Annäherungshindernis als auch als Zisterne (Wasserreservoir) diente. Ein Aquädukt führte Wasser von Süden heran. Ebenso wie die Süd- wurde auch die Westmauer durch eine Vorlage verstärkt und ein Wehrgang im Zwischenraum zwischen den Mauern eingerichtet. Über dem Glacis an der Südseite erheben sich drei riesige Halbrundtürme, die in mehreren Geschossen große gewölbte Räume enthalten. Zusammen mit den heute weithin zerstörten Räume dazwischen bildeten die Türme die Wohnräume für die vielleicht 60 obersten Ritter der Besatzung.

Abb. 4 Krak des Chevaliers. Vorhalle des "Großen Saales" von Südost. Gotische Ma&ßwerkfenster und Gewölbe aus dem mittleren 13. Jahrhundert (Foto: S. Brather)
Abb. 4 Krak des Chevaliers. Vorhalle des "Großen Saales" von Südost. Gotische Ma&ßwerkfenster und Gewölbe aus dem mittleren 13. Jahrhundert (Foto: S. Brather)

Im Südwestturm (Abb. 2) findet sich ein als "Logis du Maître" bezeichneter, reich ausgestatteter Raum, der als Wohnbereich des Großmeisters angesehen wird. Im Innenhof der Oberburg entstand an der Westseite der "Große Saal" (Abb. 3; 4) von etwa 27 x 7,5 m². Sein Gewölbe stammt aus dem 13. Jahrhundert, die schmuckvolle Vorhalle, die zugleich der Beleuchtung des Saales dient, könnte in den 1230er Jahren gebaut worden sein. Die eleganten, leichten Pfeiler, Bögen und Rippen bilden einen deutlichen Kontrast zur sonstigen massiven Wehrarchitektur. Einer der Bögen enthält diese Inschrift:

Sit tibi copia Mögest du Reichtum erwerben,
Sit sapientia Weisheit erlangen
Formaque detur und Schönheit gewinnen.
Inquinat omnia sola All das verdirbt allein
Superbia si comitetur der Hochmut, wenn er sich dazugesellt.

Im Süden des Innenhofes finden sich große überwölbte Räume, die wahrscheinlich Wirtschaftsräume, die Küche und vielleicht auch das Refektorium beherbergten.