15.12.2017 - 20:52:37

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Kreuzfahrer in Syrien

Der Krak des Chevaliers zwischen Homs und Tartus

16.12.2000
Krak de Chevalier

Der Krak des Chevaliers ist die wohl bekannteste Kreuzfahrer-Burg in Syrien. Ihr arabischer Name lautet Qal'at al-Hisn. Die vielfach umgebaute und veränderte Anlage liegt mehr als 650 m hoch in den südlichen Ausläufern des Jebel al-Ansariyeh zwischen Homs und Tartus, kaum mehr als 40 km vom Mittelmeer entfernt. Sie wurde auf einem Bergsporn errichtet, der nach allen Seiten mäßig steil abfällt. Die hervorragende Lage kontrollierte den Weg von der Küste ins Landesinnere und erlaubte direkten Blickkontakt zur Burg von Safita.

Der Krak des Chevaliers war Verwaltungsmittelpunkt der Kreuzritterbesitzungen im Umland und diente der Verteidigung der Ostgrenze der Grafschaft Tripolis. Seine "Hochzeit" fiel in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, als zwar die Kreuzfahrerstaaten um ihr Überleben kämpften, auf dem Krak aber 2000 Mann stationiert waren. Diese Burg ist außergewöhnlich, und sie verdankt ihren Reichtum den Einnahmen aus den umliegenden Besitzungen, Tributzahlungen der einheimischen Moslems und Stiftungen pilgernder Kreuzfahrer.

Die Kreuzfahrerburg war nicht die erste Befestigung an dieser Stelle. Der Emir von Homs hatte hier bereits 1031 eine kurdische Militärkolonie stationiert, woher der Name Hisn al-Akrad stammt. Nach kurzzeitiger Besetzung durch Kreuzfahrer 1099 eroberte Tankred von Antiochia (ca. 1072-1112) 1109 die Burg. Im Jahre 1142 gelangte die Anlage in den Besitz der Johanniter. Dieser Besitzerwechsel und ein Erdbeben 1157 führten zum ersten Ausbau (Phase Ia). Arabische Angriffe konnten in den beiden folgenden Jahrzehnten abgewehrt werden. Ein erneutes Erdbeben 1169/70 erzwang erneut umfangreichere Baumaßnahmen (Phase Ib). Eine Belagerung durch Saladin (Salah ad-Din Yusuf; 1138-1193) 1188 blieb erfolglos. Nach neuen Erdbeben erfolgte ein umfangreicher Ausbau der Anlage (Phase II), deren heutiger Eindruck wesentlich auf diese Zeit zurückgeht. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war der Krak des Chevaliers vor allem ein Offensiv-Stützpunkt für Angriffe und Überfälle auf arabisches Gebiet, mußte aber deswegen auch zahlreichen Belagerungsversuchen standhalten. Das Ende der Johanniter-Besatzung kam 1271. Sultan Baybars' I. (ca. 1233-1277; mamelukischer Sultan von Ägypten 1260-1277) Truppen gelang es mithilfe schwerer Belagerungsmaschinen, innerhalb von vier Wochen die massiv befestigte Südmauer zu durchbrechen. Die Burgbesatzung kapitulierte angesichts der aussichtslos gewordenen Verteidigung und erhielt freien Abzug nach Tripolis. Die folgenden Instandsetzungen unter arabischer Herrschaft veränderten vor allem die beschädigten Bereiche im Süden und Osten der Anlage. In der Neuzeit lag ein Dorf in der Burg, das den seit 1927 unternommenen Restaurierungen schließlich weichen mußte.