- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Unabdingbare Voraussetzung für dieses Vorhaben ist eine genaue Kenntnis der zeitlichen Parameter. Deshalb wurde bereits parallel zur Ausgrabung mit der dendrochronologischen Untersuchung der Bauhölzer begonnen. In einem ersten Arbeitsschritt wurden sämtliche Eichen gemessen. Ihre Zahl beläuft sich auf ca. 5500 Exemplare, von denen bis heute etwa 4500 jahrgenau datiert werden konnten. Auf diese Weise ist es nicht nur möglich, die Lebensdauer der einzelnen Ansiedlungen zu bestimmen, sondern auch die Zeitabschnitte einzugrenzen, in denen keine prähistorischen Dörfer errichtet wurden. Dies ist ein besonders wichtiger Gesichtspunkt, denn dadurch lassen sich z.B. Überlegungen anstellen, in welchen zeitlichen Dimensionen kultureller Wandel stattgefunden hat.
Kulturgeschichtlich läßt sich festhalten, daß aus nahezu allen bekannten prähistorischen Kulturen der Westschweiz ein oder mehrere Dörfer nachgewiesen werden konnten. Darüberhinaus ist wissenschaftlich besonders bemerkenswert, daß zum einen erstmals in der Westschweiz eine Seeufersiedlung des 5. Jahrtausends v.Chr. entdeckt und zum anderen aus mehreren Zeitabschnitten intakte Kulturschichten angetroffen wurden, die bisher nur sehr schlecht oder gar nicht bekannt waren. Dies betrifft besonders den Beginn des Endneolithikums um 3000 v.Chr. und zwei komplette Siedlungen aus der späten Frühbronzezeit um 1800 und 1600 v.Chr.
Wie bei Seeufersiedlungen so üblich, wurden auch in Concise große Mengen an archäologischen Funden gemacht (ca. 200 000), die sich auf alle Fundgattungen verteilen. Neben Keramikgefäßen und Artefakten aus Feuer- und Felsgestein sind besonders die vielen Objekte aus organischen Materialien hervorzuheben, die sich im feuchten Milieu unter Luftabschluß gut erhalten haben.
Läßt man die nahezu zehn Jahre Revue passieren, die die kantonale Denkmalpflege das Projekt "Bahn 2000" archäologisch begleitete, so fällt die Bilanz sicherlich positiv aus. Derartige lineare Großprojekte bedeuten immer einen schweren Eingriff in die Umwelt und stellen die archäologischen Behörden durch die potentielle Gefährdung einer größeren Anzahl prähistorischer Fundstellen sehr oft vor große administrative und grabungstechnische Probleme, weil dieses enorme Ausmaß von präventiver Denkmalpflege den normalen archäologischen Alltag bei weitem überschreitet. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß gerade in heutiger Zeit, in der die Denkmalpflege - auch in der Schweiz - mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat, vor allem durch derartige lineare Großprojekte, die vom Bund finanziert werden, wissenschaftliche interdisziplinäre Strategien von überregionaler Bedeutung in einer Größenordnung entwickelt werden können, wie es sonst einfach nicht möglich wäre.
Literatur
- C. Wolf, Die neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen von Concise-sous-Colachoz (Kanton Vaud) am Neuenburgersee. Nachrichtenbl. Arbeitskreis Unterwasserarch. (NAU) 4, 1998, 27-35.
- Ders., Neue Befunde zur Siedlungsstruktur der westschweizerischen Frühbronzezeit: erste Ergebnisse der Ausgrabungen in den neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen von Concise-sous-Colachoz (VD). In: Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas, 541-553. Tagung Berlin 1997 (Kiel 1998).
- Ders. und J.-P. Hurni, Neues zur Architektur des westschweizerischen Endneolithikums: erste Auswertungsergebnisse der Befunde in den Seeufersiedlungen von Concise-sous-Colachoz am Neuenburgersee. Plattform 7/8, 1998/99, 107-117.
- Ders., E. Burri et alii, Les sites lacustres néolithiques et bronzes de Concise-sous-Colachoz (VD): premiers résultats et implications sur le Bronze ancien régional. JbSGUF 82, 1999, 7-38.



![Neben den stehenden Pfählen, die irgendwann im Laufe der Zeit durch Erosion ihren oberen Teil verloren haben, wurden in Concise auch mehr als 200 liegende vollständige Pfähle entdeckt. Neben den stehenden Pfählen, die irgendwann im Laufe der Zeit durch Erosion ihren oberen Teil verloren haben, wurden in Concise auch mehr als 200 liegende vollständige Pfähle entdeckt. [zur vergrößerten Ansicht auf das Bild klicken]](typo3temp/pics/concise07_c52a41d726.jpg)
![Besonders zerbrechliche organische Funde wie diese Flechtwand aus Eiche und Haselnuß wurden vollständig als Block eingegipst und in die Restaurierungswerkstatt nach Lausanne transportiert. Besonders zerbrechliche organische Funde wie diese Flechtwand aus Eiche und Haselnuß wurden vollständig als Block eingegipst und in die Restaurierungswerkstatt nach Lausanne transportiert. [zur vergrößerten Ansicht auf das Bild klicken]](typo3temp/pics/concise08_efb24c3e23.jpg)