- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
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- 1.4: Aus der Presse.
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- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
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- 9: FAQ.
Von A bis Z

1859 erschien in Großbritannien Charles Robert Darwins (1809 - 1882) zweibändiges Werk "On the origin of species by means of natural selection". Begreiflicherweise löste seine revolutionäre Theorie heftige Diskussionen aus. Dadurch gewann der Fund aus dem Neandertal für britische Forscher eine besondere Aktualität. Der hoch angesehene schottische Geologe Sir Charles Lyell (1797 - 1875) hatte vermutlich schon im August 1857 bei einem Bonner Aufenthalt davon erfahren, zumal er freundschaftliche Kontakte zu den dortigen Professoren unterhielt. 1860 besuchte er Fuhlrott, ließ sich von ihm das Neandertal zeigen und bestätigte das hohe Alter der Fossilien, die er auf die Riss-Würm-Zwischeneiszeit im Mittelpleistozän datierte. In seinem Buch Geological Evidences of the Antiquity of Man vertrat er 1863 die These, der Mensch müsse sich aus irgend einem nächst niederen Tier entwickelt haben. Ihm folgend gab der irische Professor William King (1809 - 1866) in einem Vortrag vor der Geologischen Sektion der British Association for the Advancement of Sciences vom Spätsommer 1863 Fuhlrotts Fund nach ausführlicher Diskussion der Schädelform und seiner Unterschiede zu bisher bekannten Schädeln den Namen "Homo Neanderthalensis King" [12].
Zur Zeit der Namengebung wurde das deutsche Wort "Tal" noch mit th geschrieben. Nach Artikel 19 der internationalen Regeln Zoologischer Nomenklatur bleibt es bei der ursprünglichen Bezeichnung, wenn sie nicht auf einem Irrtum oder Druckfehler beruht. So hat auch der Neandertaler in seiner offiziellen lateinischen Bezeichnung das th behalten. Der Namenszusatz "King" entspricht ebenfalls internationalem Brauch zu Ehren entweder des Entdeckers oder des Taufpaten. Im vorliegenden Fall entbehrt er allerdings nicht einer gewissen Ironie. King selbst machte nämlich schon ein Jahr später einen versteckten Rückzieher, indem er in einer Fußnote zum letzten Satz eines Aufsatzes mit dem Titel "The reputed fossil man of the Neanderthal" [13], erklärte, er neige jetzt zu der Meinung, es würde sich weder der Art noch der Gattung nach um einen Menschen handeln. Der Widerruf wurde nicht allzu ernst genommen, zumal der Zoologe Thomas Henry Huxley ( 1825 - 1895) ihm energisch widersprach [14].
Eindeutige Aussagen über unsere Verwandtschaftsbeziehungen zum Neandertaler werden sich wohl erst nach einer vollständigen DNS-Analyse machen lassen. Bisherige Untersuchungen deuten zwar darauf hin, dass zumindest die Späten Neandertaler keinen Beitrag zum Genpool des heutigen Menschen geleistet haben. Es verdient jedoch hervorgehoben zu werden, dass die bisherigen Analysen nur die ausschließlich in der mütterlichen Linie vererbte mitochondriale (mt-)DNS betreffen. Ein männlicher Vertreter dieses Menschentyps irgendwo in unserer Ahnentafel ist deshalb nach wie vor nicht auszuschließen.
- [12] 12. William King,On the Neanderthal Skull, or Reasons for believing it to belong to the Clydian Period and to a Species different from that represented by Man, in: Reports of the British Ass. For the Advancement of Science (1863), Notices and Abstracts, S. 81 f.
- [13] in: The Quarterly Journal of Science, Vol. I (1864), S.88-97.
[14] T. H. Huxley, Further remarks upon the human remains from Neanderthal, in: Nat. Hist. Rev. XV,(1864), S. 429 ff. ; deutsch im Archiv f. Anatomiw, Physiologie und wiss. Medizin, (1865) Heft 1, S. 1 ff.

