- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
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- 4: Bibliothek.
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- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Das Modell für die Auslöschung der Neandertaler, das Kurten uns vorstellt, basiert auf drei Hypothesen:
1. Es kommt zu Vermischungen zwischen Neandertalern und Jetztmenschen, jedoch sind die daraus entstehenden Nachkommen unfruchtbar, weshalb z.B. die Schelche keine Nachkommen hatten.
2. Weiße und Schwarze betrachten die Schwarzen als überlegenes Wesen, wegen der verbesserten Technologie und der gekonnteren Artikulation (Kurten hält sich an Liebermanns mittlerweile überholte These, daß die Neandertaler außer "a" und "e" keine Vokale erzeugen konnten). Außerdem besteht ein Konsens darin, daß die 'kindlichen' Züge der Jetztmenschen anziehender und liebenswerter seien als das knochige Gesicht der Neandertaler. Letzteres bezieht sich auf das in der Verhaltensbiologie beobachtete 'Kindchenschema', d.h., daß eine hohe Stirn und runde, weiche Formen, wie es Kinden und Jungtieren zu eigen ist, Gefühle des Bemuttern- und Beschützenwollens auslösen.
3. Aufgrund dieses Wertigkeitsgefälles und der von Kurten vorausgesetzten matriarchalen Gesellschaftsstruktur der Neandertaler gibt es immer mehr 'weiße' Mütter mit Mischlingskindern, die wiederum steril wären. Als Folge würde die Zahl der Neandertaler selbst bei friedlichen Bedingungen kontinuierlich schrumpfen.
Kurtens Konstruktion ist insgesamt ein intelligentes, plausibles Modell, das sich - wie alle archäologischen Spekulationen - nicht verifizieren lässt.
Die vorgestellte Belletristik zeigte eine breite Variabilität in der Konstruktion der steinzeitlichen Lebenswelten. Auf der einen Seite reichen die Extreme vom äffischen, haarigen, dumpfen Neandertaler, von einfältiger oder bedrohlich- unheimlicher Natur, der sich überlebt hat, bzw. dem sein Untergang bereits vorprogrammiert ist bis zum edlen, integren, ob seines Gutseins letztlich unterlegenen Neandertaler. Dem gegenüber steht der 'moderne Mensch', clever, aber auch bösartig, schön, geschickt, und schließlich der Gewinner.
Diese Konstruktionen spiegeln z.T. den Forschungsstand wider - die sich hartnäckig haltende Karrikatur vom bucklig gehenden, primitiven, der Sprache unmächtigen Neandertaler, der gruseligen Kulten wie dem rituellen Kannibalismus huldigt, und seit den 70er Jahren die "Flower Power" Version Soleckis, die den Neandertalern eine intakte Sozialstruktur, religiöse Handlungen und empirisches Wissen bescheinigt.
In den Forschungsstand wiederum ist der Zeitgeist eingeflossen, die Ablehnung, bzw. Toleranz von Fremdem, Ungewohntem, denn - wie ein chinesisches Sprichwort sagt:
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind; wir sehen sie, wie wir sind".
Literatur
- Aiello, Leslie und Pia Bennike (hg): 4 Millionen Jahre Mensch.
1996. Köln. - Auel, Jean M.: Ayla und der Clan des Bären.
1993 (OA 1980). Frankfurt am Main. - Bellingen, von Barbara: Tochter des Feuers. Roman aus der Morgendämmerung der Menschheit.
1991 (OA 1983). Reinbeck bei Hamburg. - Darnton, John: Neandertal. Tal des Lebens.
1996. München. - Golding, William: Die Erben.
1983 (OA 1955). Frankfurt am Main. - Geo Wissen: Die Evolution des Menschen.
1998. Hamburg. - Kurten, Björn: Der Tanz des Tigers. Roman aus der Eiszeit.
1981 (OA 1978). Hamburg. - Schrenk, Friedemann: Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens
1997. München. - Solecki, Ralph S.: Shanidar - The First Flower People.
1971. New York. - Steinacker, Johannes: Menschliche Urgeschichte als Thema der modernen Literatur.
1994. Frankfurt am Main. - Trinkaus Erik und Pat Shipman: Die Neandertaler. Spiegel der Menschheit.
1993. München.

