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Die Bestattungen der Neandertaler.

von Jörg Orschiedt - 24.10.2001

Während heute die meisten Wissenschaftler davon ausgehen, dass die Neandertaler zumindest einige ihrer Toten bestatteten, ist es nach wie vor weitgehend ungeklärt welche Rituale dabei abgehalten wurden oder ob von einer Jenseitsvorstellung bei Neandertalern ausgegangen werden kann. Die Ausstattung der Toten scheint jedenfalls recht spärlich gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass in den meisten Fällen nicht eindeutig entschieden werden kann, ob die unmittelbar bei den Bestattungen gefundenen Objekte als Beigabe oder nur als zufällig in die Grabverfüllung geratene Objekte anzusprechen sind. Inwieweit auch hier die Grabungsmethoden der damaligen Zeit ihren Tribut forderten, kann nur vermutet werden. Als Beweis für diese Annahme kann die 1979 in einer Blockbergung gehobene Bestattung eines Neandertalers aus der Fundstelle Roche à Pierrot bei Saint Césaire in Südfrankreich gelten. Bei der Freilegung wurden einige aus Muscheln hergestellte Perlen entdeckt, die offenbar als Beigabe mitgegeben wurden. Kleine Objekte dieser Art wären bei frühen Grabungen zum Anfang des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich kaum bemerkt worden.

Über Rituale, die während der Bestattung ausgeführt wurden, geben die Bestattungen selbst nur bedingt Auskunft. Die Anlage der Gräber zeigt zudem wenige Gemeinsamkeiten, so variieren die Orientierung, die Lage der Toten im Grab und ihre Ausstattung sehr stark. Die Körper wurden meist in angehockter Beinstellung in Seiten- oder Rückenlage niedergelegt. Dabei wurde meist eine sehr variable Ost-West Achsen Orientierung bevorzugt. Weder gestreckte Totenhaltungen noch eine Orientierung in der Nord-Süd Achse wurden bislang dokumentiert. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass alle bekannten Bestattungen von Neandertalern ausschließlich in Höhlen oder Abris (Felsschutzdächern) vorkommen. Im Gegensatz zu den späteren Bestattungen des jungpaläolithischen Gravettien ist kein einziger Fall einer Bestattung in einer sogenannten Freilandstation bekannt.

Das Vorkommen von Bestattungen der Neandertaler beschränkt sich im wesentlichen auf zwei Regionen. Zum einen Frankreich und hier vor allem die im Süden gelegene Dordogne (z.B. La Ferrassie, La Chapelle-aux-Saints, Le Moustier und Le Regourdou) und zum anderen der Nahe Osten, hier vor allem Israel (Tabun, Kebara, Amud) und der Nordirak mit der Fundstelle Shanidar. Vereinzelte Gräber finden sich in der Ukraine, auf der Krim (Kiik Kooba) und in Uzbekistan (Teshik Tash). In dem ansonsten an mittelpaläolithischen Funden reichen Gebiet Mitteleuropas sind zwar Neandertalerreste in Form von einzelnen Skelettresten vorhanden, in keinem einzigen Fall konnte jedoch eine sichere Bestattung belegt werden. Als ein möglicher Fall kann das 1856 in der Feldhofer Grotte im Neandertal entdeckte Skelett bezeichnet werden. Durch die Fundumstände liegen keine Informationen zur Lage des Skelettes vor. Die Beschädigungen an den Skelettresten, die durch die Werkzeuge der Steinbrucharbeiter entstanden sind, legen jedoch den Schluß nahe, dass sich das Skelett im anatomischen Verband befunden haben muss und somit als mögliche Bestattung angesehen werden kann.