- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

In jüngster Zeit wurde dies jedoch von dem amerikanischen Anthropologen Robert Gargett wiederholt angezweifelt. Gargett bestreitet die Existenz von bewusst angelegten Gräbern bei Neandertalern. Seiner Auffassung nach sind alle Skelettreste der Neandertaler durch günstige Erhaltungsbedingungen konserviert worden. Als Beleg kann angeführt werden, dass auch in der Paläontologie, die sich mit den Überresten ausgestorbener Tierarten befasst, in besonderen Einzelfällen immer wieder vollständige Skelette entdeckt werden. Nach der Vorstellung von Gargett seien sterbende oder bereits tote Individuen von den Mitgliedern der Gruppe zurückgelassen worden, ohne sie zu bestatten. Die Verstorbenen seien dann durch natürliche Vorgänge eingebettet und ihre Skelettreste somit erhalten geblieben. Das Entstehen dieser Auffassungen wird durch die Tatsache erleichtert, dass eine Vielzahl der Gräber zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborgen wurden, zu einer Zeit, zu der die Grabungstechnik noch nicht weit entwickelt war und das dokumentieren der Befunde noch sehr rudimentär durchgeführt wurde. Der meist fehlende Nachweis von Grabgruben, eines der Hauptargumente Gargetts gegen eine Bestattung bei Neandertalern, dürfte darauf zurückzuführen sein.
Auch wenn in einigen Fällen selbst mit modernen Grabungsmethoden eindeutige Grabgruben durch spezielle Sedimentverhältnisse oder Störungen nicht nachweisbar sind, zeigt vor allem die gute Erhaltung der Skelette, dass es sich um Gräber gehandelt haben muss. Nicht nur die quantitative Erhaltung, sondern auch die Tatsache, dass die Skelettreste im anatomischen Zusammenhang liegen, deuten klar auf die Anlage einer Grabgrube hin. Es erscheint mehr als unwahrscheinlich, dass in Fundstellen wie La Ferrassie, wo sieben Bestattungen von Neandertalern entdeckt wurden, darunter vier Kinder und Neugeborene und sogar ein Fötus, ihre teilweise fragilen Skelettreste nur durch zufällige natürliche Sedimentation konserviert wurden. Das gleiche trifft auch auf die Fundstelle von Shanidar im Nordirak zu, in der neun Neandertaler entdeckt wurden. Die Existenz von weiteren Kinderskeletten, die zum Teil nur ein geringes Lebensalter von wenigen Monaten oder Jahren erreicht haben, wie die neuen Funde aus Dederiyeh in Syrien, zeigen, dass Kinder wie Erwachsene gleichermaßen behandelt wurden. Immerhin machen die Kinderbestattungen ca. 40% der gesamten Anzahl mittelpaläolithischer Bestattungen, im Gegensatz zu denen des Jungpaläolithikums, mit nur 27%, aus.

