13.02.2012 - 21:42:35

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Einführung in die Montanarchäologie.

von Gerd Weisgerber - 1.3.2001

Was sind die Spuren montanistischer Tätigkeiten an der Oberfläche ?

Bergbau:

  • Furchen/Graben-, Trichter-, Tellerpingen
  • Verhaue
  • Hang- bzw. Ringhalden
  • Wassergräben
  • Tagesbrüche von Stollen und Weitungsbauen
  • Röschen zu verbrochenen Stollenmundlöchern
  • Ruinen von Gebäuden, Befestigungen und Siedlungen

Aufbereitung:
Abgesehen von Sedimenten feiner Waschabgänge, den sog. Scheidehalden, sind Poch-Unterlagsteine, Klopfsteine und Mühlsteine die am häufigsten zu findenden Arbeitsgeräte dieser Tätigkeiten. Pochen und Mahlen umschreiben die Zerkleinerung etwa von Erzen vom Groben zum Feineren. Die verschiedenen Feinheitsgrade können an den unterschiedlichen Spuren auf den Geräten angesprochen werden. Häufiger finden sich Poch- und vor allem Mahl- und Mühlsteine. Aber auch Schlacken werden aufbereitet, das Haldenmaterial ist dann fein zerschlagen.

Vom größten spätbronzezeitlichen Bergbau der Alpen blieben auf dem Mitterberg nur eine Grabenpinge und die seitlich aufgekippten Halden zurück. (Foto:G. Weisgerber)
Vom größten spätbronzezeitlichen Bergbau der Alpen blieben auf dem Mitterberg nur eine Grabenpinge und die seitlich aufgekippten Halden zurück. (Foto:G. Weisgerber)
Die kreisförmig angelegten Waschherde stellen die raffinierteste Aufbereitungsanlage der Antike in Laurion (Attika) dar. (Foto:G. Weisgerber)
Die kreisförmig angelegten Waschherde stellen die raffinierteste Aufbereitungsanlage der Antike in Laurion (Attika) dar. (Foto:G. Weisgerber)

Verhüttung:

  • Schlackenhalden als Indikatoren von Schmelzplätzen und verschiedenen
  • Schmelzprozessen
  • Ofensteine
  • Ofenbruch
  • Zeigerpflanzen

Welche Forschungsmethoden hat die Montanarchäologie?

Zur Erforschung bergbau- und hüttentechnischer Arbeitsprozesse müssen deren Überreste untersucht werden. Da sie meistens nicht im Altsiedelland stattfanden, müssen sie erst gefunden werden. Dies kann zufällig oder durch systematische geophysikalische Prospektion geschehen (Klappauf 2000).

Umfangreiche Geländearbeiten führen zur Erfassung prähistorischer, antiker oder mittelalterlicher Spuren von Montanaktivitäten und ihrer -reviere. Dabei sind Verhüttungszeugnisse oft leichter zu finden als bergbauliche Überreste. Siedlungs-, Befestigungs- oder Spuren alter Wege informieren über das wirtschaftliche und soziale Umfeld, in dem diese Spuren einst entstanden waren, über Organisation, Infrastruktur und im günstigen Falle über den bergrechtlichen Rahmen, kurz, über das Leben der Bergleute. Manchmal kann sogar etwas über ihr Freizeitverhalten (Spiele) herausgefunden werden.

Um unnötigen Materialtransport zu vermeiden, wurde in den Feuersteinbergwerken von Krzemionki in Polen Bergematerial in aufgegeben Abbaustrecken versetzt. (Foto:G. Weisgerber)
Um unnötigen Materialtransport zu vermeiden, wurde in den Feuersteinbergwerken von Krzemionki in Polen Bergematerial in aufgegeben Abbaustrecken versetzt. (Foto:G. Weisgerber)

Ausgrabungen alter Bergwerke liefern die entscheidenden Informationen zum ehemaligen Zweck der Arbeiten, zu den angewandten bergmännischen Techniken, zur Organisation und zu ihrem zeitlichen Ansatz. Aber oft können nur noch naturwissenschaftliche Untersuchungen das ursprüngliche Ziel des Bergbaus ermitteln.

Geologie, Mineralogie und die Ingenieurwissenschaften des Bergbaus helfen mit, die gemachten Beobachtungen zu verstehen.

Markscheiderische (vermessungstechnische) und fotografische Dokumentationen ober- und untertägiger Spuren bilden die Grundlagen für genaue Beschreibungen. Planunterlagen sind Voraussetzung, bergrechtliche Rahmenbedingungen zu erkennen.

Besondere Funde können technikgeschichtliche Bedeutung als "Leitfossil" erhalten.

Mineralische Rohstoffe sind selten so, wie sie aus dem Boden oder dem Berge kommen, zu gebrauchen. Sie müssen zugute gemacht werden, für die Metallerze spricht man von Aufbereitung. Diese vorbereitenden Tätigkeiten hinterlassen oft deutliche Spuren.

Zur Gewinnung von Metallen aus den Erzen werden diese unter hohen Temperaturen chemischen Prozessen, d.h. einer Verhüttung unterzogen. Bei der angestrebten Trennung des Metalls aus dem Gestein durch Schmelzen entsteht viel Abfall, die sogenannte Schlacke. Da die Schmelzprozesse aufgrund wechselnder Erze im Laufe der Geschichte immer weiter verbessert werden mussten, änderte sich auch das Erscheinungsbild der Schlacken. Im günstigsten Fall kann man sie damit datieren.

Schlacken sind der Hauptindikator für ehemalige Verhüttungsplätze. Hinzu kommen verschlackte oder durch Hitze geprägte Ofensteine oder -fragmente, Röstbetten, in günstigen Fällen Gebläsedüsen. Spuren der Vermeilerung von Holz zu Holzkohle sind oft nicht zu übersehen. Schlackenhalden können im Gelände gut erkennbar sein, weil ihr Schwermetallgehalt entweder Vegetation verhindert oder nur einen speziellen Bewuchs zulässt (Galmeiveilchen, Schaumkresse). Wie beim Bergbau können Siedlungsreste, alte Wege, Wassergräben oder die Dämme von Stauweihern weitere Hinweise zur Infrastruktur liefern.

Die naturwissenschaftliche Erschließung des Weges von der Lagerstätte zum Fertig- bzw. Handelsprodukt ist Aufgabe der Archäometallurgie. Sie bemüht sich durch die Analytik von Erzen, Schlacken und Metallfunden, die Technologie früher Hochtemperaturprozesse zur Gewinnung und Veredelung der Rohstoffe zu rekonstruieren. Die Provenienz des Metalls aus zu identifizierenden Erz-Lagerstätten und zur Herkunft von anderen archäologischen Werkstoffen ist ein wichtiges Forschungsziel. Botaniker untersuchen Fragen der Brennstoffversorgung, um die montanistischen Aktivitäten in den Umweltverhältnissen früherer Zeiten und ihre Wirkung auf diese zu erfassen.