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Das Montanrevier Sulzburg. Eine archäologische Quelle zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Bergbaus

von Mark Rauschkolb - 1.3.2001

Kirche und Gräber des 12. - 13. Jh. (Zeichnung: M. Rauschkolb)
Kirche und Gräber des 12. - 13. Jh. (Zeichnung: M. Rauschkolb)

Die gewachsene Bedeutung der Siedlung wird schließlich auch der Grund gewesen sein, weshalb man in der Mitte des 12. Jhdts. an diesem Platz eine 11m mal 7m große Steinkirche erbaute. Da weder die Siedlung noch die Kirche in den historischen Quellen erwähnt werden, können zur rechtlichen Stellung der Kirche keine Aussagen gemacht werden. Man wird jedoch von einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem in 750m Entfernung liegenden und 993 gegründeten Kloster St. Cyriak ausgehen dürfen. Mit Sicherheit verfügte die kleine Kirche allerdings über das Bestattungsrecht, da um die Kirche herum annähernd 100 Gräber ausgegraben werden konnten. Man kann davon ausgehen, daß es sich dabei um die verstorbenen Bewohner der weiterbestehenden Bergbausiedlung handelt. D.h. aber nicht, daß alle Bestatten einmal direkt im Bergbau tätig waren.

Grab 84 und 86 östlich der Kirche. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)
Grab 84 und 86 östlich der Kirche. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)

Der Bergbau bildete lediglich den Kristallisationspunkt für die Siedlung und zog Menschen an, die die Erze weiteraufbereiteten oder Zulieferfunktionen für den Bergbau übernahmen (Köhler, Schmiede etc.). Bei den bestatten Personen handelt es sich dementsprechend um eine gemischte Bevölkerung aus Frauen, Männern und Kindern. Nach der abschließenden Vorlage der anthropologischen Auswertung (Alter, Geschlecht, Krankheiten) und der naturwissenschaftlichen Analysen (Herkunftsbestimmung und Bleibelastung der Bestatteten anhand von Spurenelementen), sind detaillierte Einblicke in den Lebensalltag dieser Menschen zu erwarten. Das Ende der Kirche und der separaten Bergbausiedlung in der 2. Hälfte des 13. Jhdts. ist in Zusammenhang mit der Stadtgründung Sulzburgs zu sehen. Die Gründe für diesen einschneidenden Eingriff in das Siedlungswesen bleiben unklar, sie fallen aber offensichtlich in eine Blütephase des Bergbaus.

Frühneuzeitliche Kachel aus dem Verwaltungsgebäude des späten 16. Jh. (Zeichnung: M. Rauschkolb)
Frühneuzeitliche Kachel aus dem Verwaltungsgebäude des späten 16. Jh. (Zeichnung: M. Rauschkolb)

Die kleine Kirche weiter hinten im Tal wird abgerissen und an ihrer Stelle erbaute man ein ummauertes Hofareal mit Steinkeller, das bis ins 14. Jhdt. vielleicht der Verwaltung des Bergbaus und der Lagerung von Erzen gedient haben könnte.

Infolge der spätmittelalterlichen Wirtschaftskrise kam auch im Sulzbachtal der Bergbau vorübergehend zum Erliegen. Ein bei den Grabungen erfasster einfacher Hausgrundriß aus dem späten 14. Jhdt. steht wohl nicht mehr in Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten, sondern hängt eher mit einer lockeren Streubesiedlung vor den Toren der eigentlichen Stadt zusammen, die auch in den Schriftquellen dieser Zeit belegt ist.

Im 16. Jhdt. florierte der Bergbau im Südschwarzwald dann wieder für rund einhundert Jahre. In dieser Zeit errichtete man auch in Sulzburg noch einmal ein kleines Verwaltungsgebäude mit halbrundem Abschluß, in dem sich unter anderem die Überreste eines Kachelofens fanden.

Die jüngsten - ausschließlich historisch überlieferten - Abbaubestrebungen datieren in das 18. Jhdt. und wurden alle nach einer gewissen Zeit wegen Unwirtschaftlichkeit endgültig eingestellt.

Literatur

  • Alter Bergbau im Sulzbachtal, Südschwarzwald. In: Archäologische Nachrichten aus Baden 61/62 (1999).
  • Geschichte der Stadt Sulzburg Bd. 1 (Freiburg 1993)