13.02.2012 - 23:26:56

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Das Montanrevier Sulzburg. Eine archäologische Quelle zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Bergbaus

von Mark Rauschkolb - 1.3.2001

Übersichtsfoto über die Grabung in Sulzburg. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)
Übersichtsfoto über die Grabung in Sulzburg. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)

Das Bergbaurevier Sulzburg liegt ca. 25 km südlich von Freiburg im Brsg. im Südschwarzwald. Die Grundlage für den historischen Bergbau bildeten hier mehrere Blei-Silber-Erzgänge einige hundert Meter östlich der Stadt Sulzburg. In einer der ältesten Urkunden zum Silberbergbau in Deutschland wurden im Jahre 1028 die Abbaurechte “in valle Sulzberc” von Kaiser Konrad II. an das Bistum Basel geschenkt und in der 2. Hälfte des 13. Jhdts. wurde in diesem Tal die Stadt Sulzburg gegründet, die das älteste deutsche Stadtsiegel mit einer Bergbaudarstellung führt. Trotz dieser besonderen Quellenlage muß hier einschränkend betont werden, daß sich dieses Montanrevier an Größe und Umfang der Bergbautätigkeiten nicht mit bedeutenden Revieren im Harz, im Erzgebirge oder in Tirol messen kann. Dies ist für Untersuchungen zur Wirtschaftsgeschichte jedoch eher von Vorteil, da das kleine Sulzburger Revier anscheinend wesentlich empfindlicher auf Boom- und Krisenphasen des Silberbergbaus reagierte als seine großen Verwandten. Aufgrund der historischen Überlieferung und bereits bekannten Hinweisen auf römischen Bergbau führte deshalb das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Freiburg von 1988 bis 1995 in diesem Tal umfangreiche montanarchäologische Forschungen durch. Diese konzentrierten sich neben der Untersuchung der Abbauspuren hauptsächlich auf Siedlungsbefunde im Talgrund, die in unmittelbarer Nähe zu dem bedeutendsten Erzgang liegen. Hier konnten im Bereich der Grabungsflächen auf engem Raum sechs Siedlungsphasen vom 2. bis in das 16. Jhdt. untersucht werden.

Blick in das Hypokaustum des römischen Badegebäudes. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)
Blick in das Hypokaustum des römischen Badegebäudes. (Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte Freiburg)

Bei der ältesten Phase handelt es sich um ein römisches Badegebäude, das in der 2. Hälfte des 2. und in der 1. Hälfte des 3. Jhdts. benutzt wurde. Der Mauermörtel des Bades enthält zahlreiche Schlacken einer Blei-Silber-Verhüttung, die indirekt den Abbau und die Verarbeitung von Erzen vor bzw. während der Errichtung des Gebäudes belegen. In die gleiche Richtung weisen auch Bleireste aus der bereits in römischer Zeit erfolgten teilweisen Verfüllung des Bades. Das Blei stammt aufgrund der vorgenommenen Isotopenanalysen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem benachbarten Erzgang. In der Mitte des 3. Jhdts. bricht dann die römische Besiedlung und damit vermutlich auch der Bergbau ab.

Eine Wiederbesiedlung im Bereich der Ausgrabungen läßt sich durch Keramikfunde erst wieder ab dem 10. Jhdt. fassen. Ob sich diese Siedlung schon von Anfang an auf Bergbau spezialisiert hatte oder ob es sich zunächst um eine Aufsiedlung im Zuge des inneren Landesausbaus handelte, läßt sich zur Zeit nicht entscheiden. Ab der Jahrtausendwende scheint für die Siedlung jedoch der Bergbau an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen zu haben. Dies kann aus der historischen Überlieferung, aber auch aus den untersuchten und datierten Abbauspuren auf dem Erzgang geschlossen werden.