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Das Montanrevier Sulzburg

Eine archäologische Quelle zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Bergbaus

1.3.2001

Als im März 1997 einige hundert Bergleute in die Bannmeile des deutschen Bundestages eindrangen, kommentierte der Einsatzleiter der Bonner Polizei das Nichteingreifen der Polizeikräfte mitden Worten:“Wenn Bauern und Bergleute kommen, können wir nicht vorgehen wie bei normalen Demonstranten“. Kaum ein Ereignis in unserer jüngeren Geschichte verdeutlicht besser, mit welchem Respekt man dem Berufsstand des Bergmannes begegnet und daß man sogar bereit ist, den Bergleuten eine rechtliche Sonderstellung einzuräumen. Daß es sich dabei um eine sehr moderne Bewertung des Bergbaus handelt, die ironischerweise aus einer Zeit stammt, in der der Beruf des Bergmannes in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, und insofern schon verklärende Züge von Industrieromantik aufweist, soll hier lediglich angemerkt werden. Doch wie stellte sich die gesellschaftliche Anerkennung der Bergleute vor der Industrialisierung und dem Zeitalter des Kohlebergbaus in historischer Zeit dar, als Bergbau in erster Linie Erzbergbau bedeutete?

Für die Mitte des 16. Jahrhunderts geben die von Georg Agricola verfassten Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen hierüber indirekt Auskunft. Dort heißt es im ersten Buch: “Viele sind der Meinung, der Bergbau sei etwas Zufälliges und eine schmutzige Tätigkeit und überhaupt ein Geschäft, das nicht sowohl Kunst und Wissenschaft als körperliche Arbeit verlange” bzw.: “Weiter wirft man die Frage auf, ob der Bergbau ein ehrlicher Beruf für anständige Leute oder ob er verächtlich und unehrlich sei.” Agricola, den man als einen frühen Lobbyisten des Bergbaus bezeichnen könnte, führt im Anschluß selbstverständlich den Beweis, daß diese Vorurteile falsch sind. Seine Ausführungen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß seine Zeitgenossen diese Meinung nicht teilten, sondern den Beruf des Bergmannes für einen “unehrlichen” hielten. D.h., daß man die Bergleute in der Nähe der im Spätmittelalter verachteten Berufe, wie z.B. den Abdeckern, den Gerbern, den Badern oder den Kesselflickern, ansiedelte und ihnen somit eher den gesellschaftlichen Status einer Randgruppe zuwies. Es ist jedoch zweifelhaft, ob sich diese Verhältnisse auch auf ältere Zeiten zurückprojezieren lassen, da für das Mittelalter kaum aufschlußreiche Schriftquellen zur sozialen Stellung von Bergleuten vorliegen. Auch die teilweise hervorragenden mittelalterlichen Zeugnisse bergbaulicher Kunst, wie z.B. die Bergbaufenster im Freiburger Münster, geben hierzu keine klare Auskunft, da diese in erster Linie das hohe gesellschaftliche Ansehen der Bergwerksbetreiber und nicht das der einfachen Bergleute dokumentieren. Einen Zugang zu diesen fernen Lebenswelten bietet jedoch die Archäologie. Sie kann die Sachkultur dieser Menschen (z.B.: Werkzeuge, Kleidungsbestandteile, Hausrat) und in Ausnahmefällen - wie in Sulzburg - die Personen selbst untersuchen.