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Bronzezeitlicher Kupferbergbau in Tirol.

von Gert Goldenberg - 1.3.2001

3. Bergbauspuren der Späten Bronzezeit

Durch Feuersetzen entstandene Abbaukuppel im Moosschrofen (SB). (Foto: G. Goldenberg)
Durch Feuersetzen entstandene Abbaukuppel im Moosschrofen (SB). (Foto: G. Goldenberg)

Schon im "Schwazer Bergbuch" aus dem Jahre 1556 (8) werden alte Gruben aus nicht überlieferter, "vorchristlicher" Zeit beschrieben: "wie man dann noch zu unseren Zeiten an etlichen Orthen an den pergen haidnisch Zecherl in den tag gehanngen befindet". Gemeint sind auch heute noch existierende, oberflächennahe Abbauhohlräume im Schwazer Dolomit, die auf einen prähistorischen Erzabbau unter Anwendung der Feuersetztechnik zurückzuführen sind. Funde von Keramik und Steinwerkzeugen sowie 14C-Datierungen an Holzkohle aus dem Innern solcher Gruben datieren diese überwiegend in die ausgehende Bronzezeit (Hallstatt B2, B3) und beginnende Eisenzeit (frühes Hallstatt C) und damit in das 9. bis 7. Jh. v. Chr..

Im Umfeld dieser frühen Bergbauspuren konnten im Zuge der Innsbrucker Forschungsarbeiten über 40 prähistorische Fundbereiche lokalisiert werden (9), die sich über ein Gebiet von 20 km Länge und bis zu 3 km Breite auf der Südseite des Inntales zwischen Schwaz im Westen und Radfeld im Osten verteilen und sich damit über den gesamten Bereich der Fahlerzvorkommen im Schwazer Dolomit erstrecken. Zu den aufgenommenen Bergbauspuren gehören Pingenfelder, Abraumhalden und Aufbereitungsplätze sowie ein Verhüttungsplatz; die archäologischen Befunde weisen inzwischen auch auf ehemalige Siedlungsplätze der Bergleute hin.

Eine wichtige Rolle bei der bronzezeitlichen Vortriebstechnik spielte das Feuersetzen. Mit Hilfe von Holzfeuern wurde das abzubauende Gestein mürbe gemacht und konnte so leichter hereingewonnen werden. Insbesondere im harten und massigen Schwazer Dolomit kam es dabei zur Ausbildung charakteristischer, kuppelförmiger Hohlräume, die auf das schalige Abplatzen des Gesteins unter Hitzeeinwirkung zurückzuführen sind. Teilweise sind diese Gruben bis über 50 m weit in den Berg gebrannt.

Feuergesetzte Grube bei Brixlegg (SB). (Foto: G. Goldenberg)
Feuergesetzte Grube bei Brixlegg (SB). (Foto: G. Goldenberg)
Rauchabzugskamin in einer Grube am Kogel bei Reith i.a.. (Foto: G. Goldenberg)
Rauchabzugskamin in einer Grube am Kogel bei Reith i.a.. (Foto: G. Goldenberg)

Insbesondere bei der Erzaufbereitung kam eine Vielfalt von Steinwerkzeugen in Form von Schlägeln, Unterlagssteinen, Mahlsteinen etc. zum Einsatz. Für die Herstellung der Schlägel wurden vom bronzezeitlichen Bergmann bevorzugt Gerölle aus hochmetamorphen Kristallingesteinen wie Eklogit und Granatamphibolit herangezogen, wie sie in den Inntalschottern oder in Moränenablagerungen gefunden werden konnten. Aufgrund des inneren Gefüges und eines relativ hohen Raumgewichtes dieser Gesteine weisen diese eine besonders hohe Schlag- und Bruchfestigkeit auf und damit ideale Materialeigenschaften für die Anforderungen der bergmännischen Arbeit.

Geröllschlägel mit Schäftungskerben (Pingenfeld bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Geröllschlägel mit Schäftungskerben (Pingenfeld bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Waschanlage zum Auswaschen von zerkleinerten Schlacken und Erz (Fahlerzverhüttung, Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Waschanlage zum Auswaschen von zerkleinerten Schlacken und Erz (Fahlerzverhüttung, Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)

Die mit Steinwerkzeugen zerkleinerten Erze wurden bei Bedarf zur weiteren Anreicherung einer nassmechanischen Aufbereitung unterzogen. Nachgewiesen sind solche "Erzwäschen" u.a. in Form von Waschtrögen (Kelchalm) oder auch von mit Holzbrettern verschalten Gerinnen (Hüttenplatz bei Radfeld im Unterinntal).

Nach den bislang vorliegenden Prospektions- und Grabungsergebnissen wird der Fahlerzbergbau im Unterinntal mit dem Einsetzen der Späten Bronzezeit (Bronzezeit D1, um 1300 v. Chr.) archäologisch fassbar. Nur vereinzelt weisen Keramikfunde auf einen noch älteren Bergbau hin. Ein Höhepunkt zeichnet sich im 12. bis 10. Jh. v. Chr. ab (Hallstatt A1 bis B2). Danach lassen sich die Bergbauspuren noch bis in die beginnende Eisenzeit (frühes Hallstatt C) verfolgen, und verlieren sich im 7. Jh. v. Chr.. Die Blütezeit der Kupferproduktion aus Fahlerzen im Unterinntal fällt damit in die Zeit der Nordtiroler Urnenfelderkultur.