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Bronzezeitlicher Kupferbergbau in Tirol

1.3.2001

1. Forschungsgeschichte

Die österreichischen Alpen gehören zu den klassischen Regionen montanarchäologischer Forschung in Europa. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier, im Zuge des modernen Kupfererzbergbaus, die in Fachkreisen berühmt gewordenen bronzezeitlichen Bergwerke auf dem Mitterberg (Salzburg) und auf der Kelchalm bei Kitzbühel (Nordtirol) entdeckt und von M. Much (1), O. Klose (2) und G. Kyrle (3) in mehreren Publikationen vorgestellt. Grundlegende Überlegungen und Modelle zur bronzezeitlichen Bergbau-, Aufbereitungs- und Hüttentechnik wurden später, in Anlehnung an die Mitterberger Befunde, von K. Zschocke und E. Preuschen entwickelt (4). In der Folgezeit konzentrierte sich das Interesse der Forschung nahezu ausschließlich auf die Aktivitäten außerhalb des Berges, d.h. auf die Spuren der Erzaufbereitung und Verhüttung. Dies läßt sich mit der weitgehenden Einstellung des aktiven Bergbaus erklären, ein Umstand, der den Zugang nach unter Tage zunehmend erschwerte bzw. unmöglich machte. Aus forschungsgeschichtlicher Sicht sind die ausführlichen Abhandlungen von E. Preuschen und R. Pittioni über deren Grabungen auf der Kelchalm bei Kitzbühel in Nordtirol (5, 6, 7) hervorzuheben, die auch Erkenntnisse zum Alltagsleben der bronzezeitlichen Bergleute lieferten. Im Laufe der Zeit weiteten sich die Forschungen zum prähistorischen Kupferbergbau auch auf Niederösterreich, die Steiermark und Osttirol aus.

Prähistorische Kupferbergbaureviere in Österreich. 1: Bischofshofen, Mitterberg, St. Veith (Salzburg) - 2: Kitzbühel, Kelchalm, Jochberg (Nordtirol) - 3: Prein, Prigglitz, Kulmberg (Niederösterreich) - 4: Matrei, Virgental (Osttirol) - 5: Glemmtal (Salzburg) - 6: Paltental, Eisenerzer Alpen (Steiermark) - 7: Schwaz, Brixlegg, Radfeld (Nordtirol). (nach einer Zeichnung von G. Goldenberg)
Prähistorische Kupferbergbaureviere in Österreich. 1: Bischofshofen, Mitterberg, St. Veith (Salzburg) - 2: Kitzbühel, Kelchalm, Jochberg (Nordtirol) - 3: Prein, Prigglitz, Kulmberg (Niederösterreich) - 4: Matrei, Virgental (Osttirol) - 5: Glemmtal (Salzburg) - 6: Paltental, Eisenerzer Alpen (Steiermark) - 7: Schwaz, Brixlegg, Radfeld (Nordtirol). (nach einer Zeichnung von G. Goldenberg)

Während sich der neolithische Kupferbergbau im Ostalpenraum mangels entsprechender Ansatzpunkte im Gelände derzeit noch einer systematischen Erforschung entzieht, ist die Befundlage für die Bronzezeit sehr ergiebig. Aus der Zusammenschau alter und neuer Forschungsergebnisse zeichnet sich für den Kupferbergbau dieser Epoche folgendes Bild ab: Im 2. Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich der Ostalpenraum zu einem bedeutenden Kupferproduzenten für die Versorgung des mitteleuropäischen Metallmarktes bzw. Kupfer- und Bronzehandwerks. Der Höhepunkt der Kupfergewinnung wurde mit der Ausbildung frühindustrieller Produktionsstrukturen in der Mittleren und Späten Bronzezeit erreicht. Das Bergbau- und Hüttenwesen aus dieser Zeit hat bis heute vielerorts im Gelände eindrucksvolle Bodenbefunde hinterlassen.