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Archäologie des »Mannes im Salz«. Zehn Jahre Montanarchäologie im Salzbergbau Dürrnberg

von Thomas Stöllner - 1.3.2001

Der mittelalterlich- frühneuzeitliche Bergbau

Hochmittelalterliches Mundloch im Areal 'Sportplatz', Grabung 1999, grundliegende Balkenlage. (Foto: Th. Stöllner)
Hochmittelalterliches Mundloch im Areal 'Sportplatz', Grabung 1999, grundliegende Balkenlage. (Foto: Th. Stöllner)

Im Laufe der Grabungen wurden auch mehrere Befunde aufgedeckt, die ihrerseits interessante Aspekte zum historischen Bergwesen erschließen. Obwohl manche dieser Befunde anfangs nicht als Störungen erkannt wurden und für prähistorisch gehalten wurden, hat ihre korrekte Datierung wertvolle Einblicke in die Entstehung von Schichten und ihre kurzfristige Mobilität aufgrund gebirgsmechanischer Vorgänge gegeben. Die heute bekannten Befunde geben einen hervorragenden Überblick über den Bergbau des 13. bis 17. Jh., eine Zeit, aus der keine exakten Bildzeugnisse überliefert sind. In die Zeit der beginnenden Salzgewinnung fällt ein 1248/1250 n.Chr. errichtetes Mundloch, das zwischen 1998 und 1999 am Areal "Sportplatz" untersucht werden konnte. Mehrere spätmittelalterliche Befunde aus dem 14. und 15. Jh. schließen aus der Grube an: eine vollständig ausgezimmerte Strecke mit Spurlattenbahn sowie eine später als "Unterstand" genutzte Strecke im Georgenberg. Im Obersteinberg konnten Reste eines Schöpfwerkes der Jahre um 1500 und ein Wöhrkasten aus dem 16. Jh. untersucht werden. Die Reihe wird beschlossen durch die mit Spurlattenbahn versehene, kurzfristige Strecke, die in der Ferro-Schachtricht beim Eindringen in den Alten Mann offensichtlich aufgegeben wurde.

Alle diese Befunde unterscheiden sich grundlegend vom prähistorischen Bergbau, lassen aber interessante Vergleiche zu Waldwirtschaft, Zimmerungstechnik und Ernährung der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bergleute zu.

Alte Fragen, neue Ansätze

Die modernen Untersuchungen zum Salzbergbau auf dem Dürrnberg haben eine Reihe von wichtigen Ergebnissen zum prähistorischen und historischen Salzwesen der Ostalpen erbracht. Dabei stellt sich insbesondere der frühlatènezeitliche Bergbau als großflächig und deutlich aus dem älteren Ostgruppen-Bergbau in Hallstatt entwickelt dar. Nach den Obertagefunden scheint der Salzabbau mit Beginn des 6. Jh. v. Chr. einzusetzen, doch blieb uns bisher das Glück versagt, einen Abbaubereich dieser frühen Zeit zu finden. Auch sind die Gründe für den Einbruch des Bergbaues um die Mitte des 4. Jh. noch nicht völlig klar - mehrere Mureneingänge scheinen in dieser Zeit einzelne Abbaubereiche verschüttet zu haben. Jüngere Revieraufschlüsse und Wiedergewältigung alter Abbaue sind schließlich für das 3. Jh. belegt, dennoch fehlt bis heute eine klare Vorstellung über die jüngste Phase der Salzgewinnung, ebenso wie über ihr Ende in der römischen Kaiserzeit. Mit einem neuen Forschungsprojekt zur jüngsten Salzgewinnung hoffen wir hier ansetzen zu können und zugleich der "Salzarchäologie" als speziellem Zweig der Montanarchäologie neue Impulse geben zu können.

Literatur

  • Aspöck, H./Auer, H./Picher, O./Stöllner, Th., Parasitologische Untersuchungen von salzkonservierten Exkrementen: Zur Gesundheit der Dürrnberger Bergleute. In: C. Dobiat/S. Sievers/Th. Stöllner, Dürrnberg und Manching. Wirtschaftsarchäologie im ostkeltischen Raum. Koll. zur Vor- u. Frühgeschichte (im Druck 2001).
  • Barth, F.E., Prehistoric Saltmining at Hallstatt. Bull. Inst. Arch. (London) 19, 1982, 31-43.
  • Barth, F.E., Die Leibspeise der Althallstätter Bergleute. In: Bohnengeschichten. Beiträge zur Hauptnahrung Althallstätter Bergleute. Broschüre zur Ausstellung Hallstatt/Wien 1992/93 (Hallstatt 1992).
  • Barth, F.E., Bronzezeitliche Salzgewinnung in Hallstatt. In: B. Hänsel (Hrsg.), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas Berlin 1997 (Kiel 1998) 123-128.
  • Groenman-van Waateringe, W./Stöllner, Th., The prehistoric salt mines of the Dürrnberg: pollen data from hair and bark. Festschrift J.J. Butler (im Druck 2001).
  • Pucher, E., Archäozoologische Untersuchungen am Tierknochenmaterial der keltischen Gewerbesiedlung im Ramsautal auf dem Dürrnberg (Salzburg). Mit Beiträgen von Th. Stöllner u. K. Wiltschke-Schrotta. Dürrnberg-Forschungen 2 (Rahden 1999)
  • Schauberger, O., Die vorgeschichtlichen Grubenbaue im Salzberg Dürrnberg/Hallein. Prähist.Forsch. 6 (Horn, Wien 1968).
  • Stöllner, Th., Reichtum und Risiko. Neue Erkenntnisse montanarchäologischer Forschungen im Dürrnberg bei Hallein. Der Anschnitt 47/4-5, 1995, 126-134.
  • Stöllner, Th., Der prähistorische Salzbergbau am Dürrnberg bei Hallein I. Forschungsgeschichte - Forschungsstand - Forschungsanliegen. Mit Beiträgen von C. Dobiat, A. Schäfer u. J.-F. Schatteiner. Dürrnberg-Forschungen 1 (Rahden 1999).