- 1: Magazin.
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Von A bis Z

Die Halden - Einblicke in die obertägige Bergbauorganisation
Durch intensive Prospektionsarbeiten zwischen 1996 und 1999 konnte eine Reihe von obertägigen Bergbaudenkmälern festgestellt und weiter untersucht werden. Allerdings wurde auch der mittlerweile bedauernswerte Erhaltungszustand einer Reihe von Denkmälern klar, die infolge des Baubooms seit den sechziger Jahren besonders gelitten hatten. Viele dieser eisenzeitlichen und mittelalterlichen Bergbauzeugnisse verschwanden schließlich ganz und beinahe unbemerkt. An die Mundlöcher und die vorgelagerten Halden binden sich viele Fragen, die sich zu Arbeitsorganisation, Raffination des Abbaugutes und Weiterverwendung des salzreichen Haselgebirges sowie den technischen Lösungen für Verzimmerung, Bewetterung und Wasserhaltung in der Grube ergeben. Bisher ist es nicht gelungen, ein prähistorisches Mundloch samt Halde umfassender zu untersuchen, doch schon mehrere kleine Untersuchungen auf der Halde der Westgruppe (BRD) und der großen Halde am Hallersbichl zeigen, daß Halden weit mehr waren, als bloße Abraumplätze. So konnten vom Österreichischen Forschungszentrum Dürrnberg jüngst bei Bauarbeiten sogar mehrere Gräber entdeckt werden, die aufgrund ihres abweichenden Ritus sogar als Grablegen für besonders verehrte (?) Bergleute angesehen werden können.
Die salzkonservierte Organik - den alten Bergleuten auf der Spur
Die Erhaltungsbedingungen der untertägig geborgenen Funde muß als zuweilen sensationell bezeichnet werden. Daher tauchte von Anbeginn der Wunsch auf, mit möglichst breiter naturwissenschaftlicher Analytik verschiedenen Fragen zu Ernährung und Gesundheit der Bergleute, zu ihrer Bekleidung und Ausrüstung sowie zu der Rohstoffverwendung und Logistik des Bergbaues nachzugehen.
Trotz der günstigen Erhaltungsbedingungen bleibt die Rekonstruktion der prähistorischen Bergmannsausrüstung einigermaßen schwierig; von Schuhen und Hauben abgesehen sind nur einzelne wenige größere Gewandteile überliefert. Insbesondere läßt sich an den Textilfunden zeigen, daß diese zumeist schon als Lumpen in sekundärer Verwendung in den Berg kamen. Allerdings sind dadurch auch Reste einzelner "Prunkstoffe" erhalten geblieben, die Aufschluß über besondere Faserstoffe und Farbmittel geben. Mit guten Gründen kann man von einer schützenden Oberbekleidung aus Leder sowie einem wollenen Unterkleid ausgehen. Die Schuhgrößen zeigen dabei, daß auch Kinder verschiedenen Alters in den Gruben gearbeitet haben.
Der den Bergleuten zur Verfügung stehende Werkzeugsatz bestand neben Pickel und Wetzstein aus schweren Äxten und Dechsel sowie aus kurzstieligen Schaufeln, die gut zur Umlagerung von Hauklein einzusetzen waren.
Grundlegend wichtig waren umfangreiche Arbeiten zur Dendrochronologie der Region: hier war es möglich, einzelne längere Mittelkurven aufzubauen, die mittlerweile das gesamte erste Jahrtausend v.Chr. abdecken (freilich mit Lücken) und auch Befunde aus dem historischen Bergwesen einwandfrei datieren können.
Besonders aufschlußreich sind die Untersuchungen zur Ernährung der Bergleute, die offensichtlich einer gewissen Saisonalität unterlag. Die primär aus Gerste und Hirse bestehende Mahlzeit, möglicherweise eine Art Eintopf ("sog. Ritschert"), wurde wahlweise mit Schlachtresten und schlecht gekochtem Fleisch, Saubohnen und Früchten (wilde und kultivierte Obstformen) aufgebessert. Unhygienische Lebensweise und Leben bzw. Arbeiten auf engstem Raum führten zu einer massiven Durchseuchung mit Darmparasiten, die im Einzelfall aufgrund ihrer Wirtszyklen auch indirekte Hinweise auf Ernährungsgewohnheiten geben. Gleichwohl muß der Gesundheitsstatus der Bergleute teilweise erbärmlich gewesen sein: bisweilen konnten drei unterschiedliche Parasitengattungen in einem Stuhl nachgewiesen werden - in knapp der Hälfte der Fälle waren immerhin noch zwei Arten, der Spul- und der Peitschenwurm, vorhanden. Man kann sagen: jeder Bergmann hatte auch seinen "Wurm".
Aufschlußreich sind schließlich auch die Ergebnisse der Leder- und Felluntersuchungen - sie decken sich in groben Zügen mit E. Puchers Ergebnissen aus der Gewerbesiedlung - so ist es zum ersten Mal möglich, Aussagen zu Farbe und Fellart der am Dürrnberg genützten Tiere zu machen. Aufschlußreich waren auch Analysen zu den in Fellen und Rinden eingelagerten Pollen - die Spektren vermitteln einen Eindruck von der lokalen Vegetation, im Einzelfall aber auch über die Herkunft von Tieren aus anderen Vegetationszonen. Komplexe und an Umländer gebundene Rohstoffzulieferung (Vieh, Getreide, Holz) läßt sich auch mit anderen Argumenten der botanischen Untersuchungen stützen. Insgesamt läßt sich das Bild eines von außen versorgten Bergwerksortes stützen - Umfeldnutzung und vielleicht auch Kultivierung von Wäldern und Wiesen ist aber durchaus ebenfalls anzunehmen.


