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Archäologie des »Mannes im Salz«. Zehn Jahre Montanarchäologie im Salzbergbau Dürrnberg

von Thomas Stöllner - 1.3.2001

Ausgraben im Bergwerk

Georgenberg-Stollen, Vortriebsarbeiten mit dem Preßlufthammer am Hauptprofil von Fundstelle 4. (Foto: Th. Stöllner)
Georgenberg-Stollen, Vortriebsarbeiten mit dem Preßlufthammer am Hauptprofil von Fundstelle 4. (Foto: Th. Stöllner)

Es ist nicht weiter verwunderlich, daß lange Zeit Bergleute den Spuren des alten Bergbaues im Salzbergwerk Dürrnberg nachgingen. Ihre Notizen flossen später in die Bestandsaufnahmen und die Rekonstruktionsversuche O. Schaubergers ein, und sie sind heute unverzichtbare Basis für die modernen Forschungsarbeiten, die mit Unterstützung der Salinen Austria 1990 wieder begonnen werden konnten. Die historisch entstandenen Strecken der Salzbergwerke führen zu den Aufschlüssen des alten Bergbaues - insgesamt 74 Fundstellen sind bis heute in dem ehemals sehr weitläufigen Streckensystem des Dürrnberges verzeichnet worden. Aufgrund des rapide voranschreitenden Streckenverfalls sind nur noch wenige Bereiche für Untertageforschungen zugänglich: Im tektonisch mobilen und plastischen Salzgebirge, dem Haselgebirge, beträgt die jährliche Verengungsrate ca. 1,5 bis 2 cm. Alle Hohlräume schließen sich so in relativ kurzer Zeit wieder.

So beschränkten sich die Forschungen anfangs auf Maßnahmen der Bestandssicherung und -aufnahme. Erst später konnten größere Untersuchungen durchgeführt werden, die sich im wesentlichen auf drei prähistorische Abbaureviere konzentrierten. Mit Hilfe bergmännischer Arbeitskräfte und Geräte ("Preßlufthammer") aber auch durch den Einsatz von Wasser in sog. Spritzwerken wurden Vortriebsstrecken in das prähistorische Heidengebirge vorgetrieben, um Stratigraphie, Abbauintensität sowie Größe und Ausrichtung des heute verfüllten und verschlossenen, eisenzeitlichen Grubengebäudes kennen zu lernen. Dabei überraschte der Fundreichtum der spezifischen Ablagerungsschichten des prähistorischen Bergbaues, des sog. Heidengebirges, immer wieder. Heidengebirge bezeichnet dabei den mit Betriebsabraum vermischten und heute wieder verfestigten Rückstand des alten Bergbaubetriebes.

Ergebnisse zur prähistorischen Salzproduktion

Ferro-Schachtricht, Rekonstruktionsversuch des zweigeschossigen Bergbaubetriebes bei Lfm. 74/81 der Strecke, 5./4. Jh. v.Chr.
Ferro-Schachtricht, Rekonstruktionsversuch des zweigeschossigen Bergbaubetriebes bei Lfm. 74/81 der Strecke, 5./4. Jh. v.Chr.

O. Schaubergers Übersicht hatte insgesamt fünf Grubenfelder aufgelistet (Schauberger 1969); nach heutigem Stand verbergen sich darin mindestens 12 Reviere (Bergwerke) unterschiedlicher Zeitstellung und Größe. Ihre Zugänge (Tagschürfe) lagen nach topographischen Gesichtspunkten an den Hängen des Hahnrainkopfes, der zentral auf der Salzlagerstätte liegt. Aufwendige archäologische Untersuchungen verhalfen dort zu einer genauen Lokalisierung von Mundlöchern und Halden. Bedeutsam ist die Einsicht, daß diese meist dort angelegt worden waren, wo natürliche Solequellen aus dem Berg traten. Da die Salzlagerstätte durch eine nicht salzhältige Salztonlage bedeckt ist, mußte der Dürrnberger Bergmann zuerst in unrentabler Erschließungsarbeit einen schrägen Tagschurf durch diese Deckschichten graben, ehe er mit dem Abbau in den Salzschichten beginnen konnte. Der Steinsalzabbau erfolgte schließlich mit Häuereisen, Sprengkeilen und Brechstangen und führte zur Ausarbeitung großer, meist der Richtung des Salzzuges folgender Abbauhallen. Die Abbaumethode ist mit dem älteren Ostgruppenbergbau in Hallstatt verwandt, nur deutlich weiter entwickelt. Die schlechteren Lagerstättenbedingungen führten zu einer mehrfach beobachteten, flächigen "Überfahrung" zuvor betriebener Abbauräume durch eine obere, neue Abbauebene. Das beim Abbau anfallende Hauklein, das heutige Heidengebirge, wurde an Ort und Stelle auf der Sohle (Boden) des Abbauraumes belassen oder in eine tiefere Etage umgeschaufelt. Es ist - ähnlich wie in Hallstatt - sehr fundreich und hat in all den Jahren die meisten Funde geliefert; neben Überresten der Gerätschaften finden sich Kleidungsfragmente, durchgelaufene Schuhe, Nahrungsmittelreste, Koch- und Eßgeschirr sowie menschliche Bedürfnisreste (Paläofäzes). Kleine Leuchtspäne, wahrscheinlich aber auch größere Feuer gaben Licht und beförderten die Bewetterung des ganzjährig betriebenen Bergbaues - größere Gruben besaßen zudem einen zweiten Eingang, was eine natürliche Bewetterung ("Kaminprinzip") Sommers wie Winters ermöglichte.

Die meisten der bisher erforschten untertägigen Bergbaureviere gehören nach eingehenden Untersuchungen durch Dendrochronologie und 14C-Datierungen in das 5. und 4. Jh. v.Chr.: Diese zeitliche Einordnung verbindet die Blütezeit des Bergbaues mit jener der obertägigen Fundstellen. Erst ab der Mitte des 4. Jh. erfolgte ein merklicher Einbruch; mehrere Gruben wurden in dieser Zeit von Mureneingängen verschüttet bzw. auf längere Zeit unterbrochen.