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Archäologie des »Mannes im Salz«

Zehn Jahre Montanarchäologie im Salzbergbau Dürrnberg

1.3.2001

zum Inhalt

  • Einleitung
  • Ausgraben im Bergwerk
  • Ergebnisse zur prähistorischen Salzproduktion
  • Die Halden - Einblicke in die obertägige Bergbauorganisation
  • Die salzkonservierte Organik - den alten Bergleuten auf der Spur
  • Der mittelalterlich-frühneuzeitliche Bergbau
  • Alte Fragen, neue Ansätze

Einleitung

Der Bergbauort Bad Dürrnberg von Nordosten mit Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg. (Foto:Th. Stöllner)
Der Bergbauort Bad Dürrnberg von Nordosten mit Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg. (Foto:Th. Stöllner)

Der Dürrnberg über der alten Salinenstadt Hallein wird wohl nicht zu Unrecht in die Reihe der bedeutensten Fundorte der vorrömischen Eisenzeit Mitteleuropas eingereiht. Die Salzorte Hallstatt und der Dürrnberg bei Hallein haben seit langem einen besonderen Klang in Prähistoriker-Kreisen. Schon 1577 und dann noch einmal 1616 sowie 1734 in Hallstatt sind in den Gruben der Salzbergwerke drei mumifizierte prähistorische Bergmänner gefunden worden - leider zu früh für die moderne Wissenschaft. Diese einzigartigen Funde haben sich nachhaltig im Bewußtsein späterer Generationen festgesetzt - sie gehören zu den ältesten überlieferten Grubenfunden aus alten Bergwerken überhaupt. Und so scheint der neuerliche Fund eines verunglückten Bergmannes bis heute als das faszinierende und Glück spendende weil medienwirksame Fernziel einer jeden Untersuchung im Bergwerk - zumindestens von außen betrachtet. Doch haben die Forschungen, die nach der Schließung der kommerziellen Salzproduktion Ende 1989 im Halleiner Salzberg einsetzten*, schon jetzt eine solche Vielzahl von Erkenntnissen zu den "Männern im Salz" erbracht, daß ein neuerlicher Fund seinen Platz bestenfalls als herausragender Individualfall in den Bestand bisheriger Ergebnisse eingebaut werden kann. Gleichwohl gibt es Fragen, die solch ein Fund lösen kann.

Hallstatt ist die "Mutter aller Salzbergwerke": Diese Feststellung gilt in mehrfacher Hinsicht - dort wurde nach bisheriger Kenntnislage nicht nur der älteste, bis heute bekannte Bergbau auf Steinsalz begonnen, sondern die Arbeiten in Hallstatt standen auch Pate für die jüngsten Untersuchungen im Dürrnberger Bergwerk. Die Forschungen wurden in Hallstatt von O. Schauberger und K. Kromer im Jahr 1960 initiiert und werden durch F.E. Barth und seine Mitarbeiter bis heute weitergeführt. Von Anfang an standen dort die Fragen jenes verheerenden Murenunglückes, das irgendwann zwischen dem 6. und dem 4. Jh. v. Chr. dem 1734 im Kilbwerk gefundenen "Mann im Salz" das Leben gekostet hat, im Zentrum der Forschungen. In Folge konnten vor allem Forschungen zur spätbronzezeitlichen Nordgruppe und den eisenzeitlichen Gruben der Ostgruppe unternommen werden. In jüngster Zeit konnten in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Ergebnisse zum spätbronzezeitlichen Bergbau erzielt werden: Nach einer langandauernden, bis in das Mittelneolithikum zurückgehenden lokalen Solenutzung spricht heute alles für eine geplante Auffahrung des Salzbergbaues am Beginn der Spätbronzezeit.

Der Bergbau der jüngerlatènezeitlichen Westgruppe und das Verständnis der Salzgewinnung in der jüngsten Phase der Forschungen sind - wie auch am Dürrnberg - noch Desiderate der Forschungen, weil in den entsprechenden Lagerstättenteilen heute nicht mehr oder nur mit sehr hohem Aufwand geforscht werden kann.

Insofern bleibt die letzte Phase der alpinen Salzgewinnung und die Gründe ihrer Aufgabe vor oder während der römischen Okkupation im Dunkeln - in technologischer wie auch zeitlicher Hinsicht. Neue Anstrengungen sollen diesem Forschungsdesiderat an beiden Salzorten abhelfen.

 

Österreichischen Forschungszentrums Dürrnberg

Die Forschungen wurden 1990-1994 als Unternehmung des Österreichischen Forschungszentrums Dürrnberg (ÖFD), zwischen 1995 und 1999 durch das Vorgeschichtliches Seinar der Universität Marburg bzw. seit 2000 vom Fachbereich Montanarchäologie des Deutschen Bergbau-Museums Bochum in Zusammenarbeit mit dem ÖFD durchgeführt. Allen Mitarbeitern und Verantwortlichen, insbesondere Herrn P. Wallmann, Salzbergbau Dürrnberg, Herrn Prof. Dr. Claus Dobiat, Marburg, Herrn Prof. Dr. V. Megaw, Adelaide, und Herrn Dr. G. Morgan, Leicester, sowie Herrn Dir. Mag. K. Zeller, Hallein, sowie den Salinen Austria, der DFG und der Europäischen Kommssion wie dem Australian Research Council, sei für finanzielle, personelle und logistische Unterstützung herzlich gedankt.