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Häuptlingsgräber der Aunjetitzer Kultur (2200 - 1800 BC)

1.9.2000

Die bekanntesten Häuptlingsgräber der Aunjetitzer Kultur sind mit Sicherheit die Gräber von Leubingen, Kr. Sömmerda in Thüringen (3892 ± 10 Jahre vor heute) und von Helmsdorf, Kr. Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt (3645 ± 60 Jahre vor heute). Am Beispiel von Leubingen wird deutlich, wie beeindruckend diese Grabanlagen wirken: Die zeltförmige, hölzerne Grabkammer war mit Schilf bedeckt und mit Gips verfugt. Um die Grabkammer zu schützen, wurde sie mit einer mächtigen Steinpackung und zusätzlich mit Erde bedeckt. Das Hügelgrab hatte eine Höhe von ca. 8,5 m und einen Durchmesser von ca. 34 m.

Leubingen: Grabhügel (Foto: S. Eismann)
Leubingen: Grabhügel (Foto: S. Eismann)

Das Innere der Grabkammer barg eine Doppelbestattung, deren Beigaben dieses eindrucksvolle Bild unterstreichen: eine Stabdolchklinge, zwei Knickwandmeißeln, zwei Randleistenmeißeln, drei Dolchklingen, zwei Randleistenbeile, ein Schuhleistenkeil aus Serpentin, ein Wetzstein, ein goldener Armring, zwei goldene Ösenkopfnadeln, ein goldenes Spiralröllchen, zwei goldene Noppenringe und letztlich noch ein großes Grabgefäß sowie weitere Keramikbeigaben.

Leubingen: Goldbeigaben (Foto: E. Hunold - Abb. m. freundl. Genehmigung des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt)
Leubingen: Goldbeigaben (Foto: E. Hunold - Abb. m. freundl. Genehmigung des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt)

Gerade ihre reichen Goldbeigaben und ihr außergewöhnlicher Grabbau setzen diese Gräber von den restlichen Bestattungen ab. Die beiden Grabhügel sind im Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur jedoch lange nicht die Einzigen ihrer Art. Allein in Mitteldeutschland sind zehn weitere Häuptlingsgräber bekannt,unter anderen die beiden Grabhügel von Dieskau, Saalkreis (Sachsen-Anhalt) oder das Hügelgrab von Nienstedt, Kr. Sangershausen (Sachsen-Anhalt). Bei Leki Male in Polen wurde eine Hügelgrabnekropole mit mindestens elf Grabhügeln angelegt, von denen bisher nur 6 (Hügel I bis VI) ergraben und ausgewertet wurden; auch der Grabhügel von Szczepankowice wird als Häuptlingsgrab gewertet. Insgesamt sind neben den Bestattungen von Leubingen und Helmsdorf mindestens 17 weitere Häuptlingsgräber im Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur bekannt.

Trotz der großen Anzahl an Befunden ist eine allgemeine Beschreibung und Charakterisierung der Häuptlingsgräber nicht leicht. Ein großer Teil der Gräber wurde nur teilweise ausgegraben, war gestört oder sehr schlecht erhalten. Viele, darunter auch die Gräber von Leubingen und Helmsdorf wurden Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts ergraben. Teile der Beigaben, wie z.B. das große Grabgefäß von Helmsdorf sind verschollen. Trotz der relativ schlechten Quellenqualität gibt es einige Merkmale, die diese Gräbergruppe beschreiben.