16.12.2017 - 19:41:14

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Fürstengräber - Ausdruck von Macht und Reichtum

1.9.2000

Fürstengräber sind wichtige Bestandteile der Altertumsforschung. Sie sind in fast allen Epochen der Ur- und Frühgeschichtsforschung vertreten: Von der Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter wurden immer wieder Gräber angelegt, die sich von den restlichen Bestattungen in besonderer Weise unterscheiden.

Da es sich um ein Phänomen verschiedener Zeitstellungen handelt, ist eine allgemeine Beschreibung schwierig. Dennoch gibt es Merkmale, welche die Fürstengräber zeitübergreifend vergleichbar machen: Die Gräber wurden in überdurchschnittlich aufwendiger Art und Weise errichtet und dem Bestatteten wurden zahlreiche, wertvolle und qualitativ hochwertige Beigaben mitgegeben; Importwaren unterstreichen wirtschaftliche und/oder politische Beziehungen zu anderen, fremden Kulturgruppen. Auch die spezielle Lage der Gräber an Handels- oder Verkehrswegen, an höher gelegenen, weit einsehbaren Stellen oder in direkter Nähe zu einer zentralen Siedlung ist den meisten Fürstengräbern der verschiedenen Epochen eigen.

Darüber hinaus stellen sich den Archäologen in den verschiedenen Epochen jedoch ganz eigene Probleme. Die Frühbronzezeitforschung z.B. kämpft mit der schlechten Quellenlage. Viele Fürstengräber der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur wurden Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben, zumeist nicht vollständig untersucht und zudem sind einige Funde verschollen. Dennoch wurden sie, allein durch ihre Besonderheit und Beigabenausstattung, als Hinweis auf eine gesellschaftliche hierarchische Spitze akzeptiert.

Die Späthallstatt- bzw. Frühlatèneforschung, aber auch die Frühmittelalterforschung versucht dagegen eine genaue Merkmalsbeschreibung der Fürstengräber zu erstellen und sie gegen die Gräber der restlichen Bevölkerung abzugrenzen. Diese Abgrenzung führt zu einer detaillierten Darstellung politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse und letztlich zu einer Beschreibung der Lebensart der damaligen Bevölkerung.