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Das keltische »Fürstengrab« von Hochdorf bei Stuttgart

1.9.2000

Ein Jahrhundertfund

Als im September 1940 vier Jugendliche über die Hügel von Lascaux streiften, ahnten sie nicht, dass sie wenig später altsteinzeitliche Höhlenmalereien zu Gesicht bekommen sollten, die die Forschung über unsere Vorfahren revolutionierten. - Ohne die Angelpassion eines französischen Archäologen wäre die einzige nicht überbaute punische Stadt Kerkouane in Tunesien nie entdeckt worden.

Die berühmtesten Funde der Archäologie kamen oft nur durch Zufall ans Tageslicht. Und es sind immer noch große und kleine Entdeckungen möglich. Im deutschsprachigen Raum zählt zweifellos die Auffindung des "Fürstengrabes" von Hochdorf bei Stuttgart zu den aufregendsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts.

Eine Hobbyarchäologin entdeckte 1977 ortsfremde Steine auf einem Acker, die auf eine nicht mehr sichtbare Grabhügelschüttung deuteten. Die zuständige Behörde reagierte sofort: das verdächtige Areal wurde 1978 und 1979 unter der Leitung des Archäologen J. Biel erforscht. Schon bald war klar, dass es sich tatsächlich um eine aufwändige keltische Grabanlage aus dem letzten Drittel des 6. Jahrhunderts v.Chr. handelte. Dazu kam das seltene Glück, das dieses Grab nicht von damaligen Grabräubern heimgesucht worden war. Und es gab die einmalige Chance für die Archäologen, mit modernen Methoden bisher einzigartige Beobachtungen an den metallenen Beigaben und den organischen Materialien wie Leder, Textilien, Pflanzen und Holz machen zu können, die dank hervorragender Erhaltungsbedingungen konserviert waren.