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Von A bis Z

Salzsieden wie zur Zeitenwende
Im Jahre 1974 wurden im Werl (Landkreis Soest) Keramikteile aus der römischen Kaiserzeit um Christi Geburt gefunden, die vermutlich zu einem Salzsiedeofen gehörten. Von 1987 bis 1989 hat man Rekonstruktionen derartiger Öfen wiederum in Oerlinghausen erprobt, um zu erfahren, ob sich mit Hilfe einer solchen Briquetage Salz in Form fester genormter Blöcke gewinnen ließ.
Als Briquetage (der französische Begriff bedeutet eigentlich Backsteinmauerung oder ziegelsteinartige Bemalung) bezeichnet man seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch die tönernen Teile - Salzwassernäpfe, Formkästen, Stützen und Tragplatten - vorgeschichtlicher Salinen. Anhand ihrer charakteristischen Form vermochte man nachzuweisen, dass während der späten Bronze- und der Eisenzeit in verschieden Regionen Mittel- und Nordwesteuropas, so im Saalebecken bei Halle, und im Kaukasus Sole eingedampft wurde. Von vergleichbaren Anlagen, die in Afrika noch immer betrieben werden, kennt man die Einzelheiten des Verfahrens.
- Versuch des Salzsiedens. Ansicht des Ofens mit den in die Ofendecke eingelassenen Tiegeln. (Foto: Landesmuseum Oldenburg)
In diesem Falle fertigte man gemäß dem archäologischen Befund aus einer Lehm-Ton-Mischung zylindrische Säulen von rund 20 Zentimetern Länge und fünf Zentimetern Durchmesser als Stützen. Die Tiegel wurden aus Tonfladen von 25 Zentimetern Durchmesser und drei Zentimetern Dicke über einem Holzmodel geformt, um einen genormten Inhalt von 450 Kubikzentimetern zu erhalten. Außerdem wurden für das Gerüst ovale Säulen von rund 27 Zentimetern Länge und 5 Zentimetern Durchmesser mit hornartigen Ende gebaucht.
Zum Ofenbau tiefte man eine rechteckige Fläche etwas ein und platzierte an den Längsseiten paarweise die ovalen Säulen mit einem Holzstab jeweils quer darüber. Dazwischen wurden die runden Stützen mit den Tiegeln aufgestellt und die Wandungen des Ofens aus Lehm über der Grube hochgezogen.
Bei etwas mehr als 100 Grad Celsius dauerte das Sieden 10 bis 12 Stunden. Der Versuch erbrachte pro Tiegel einen festen Salzkuchen von 325 Gramm. Dieses Experiment hat also gezeigt, dass mit einer derart einfachen Anlage ein für den Handel geeignetes Produkt mit quasi genormtem Gewicht zu gewinnen war.

