13.02.2012 - 20:49:02

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Esse, Hammer, Amboß.. Schmiedetechniken in der Experimentellen Archäologie

von Matthias Reinauer - 27.11.2001

Mustersteuerung und Klingenaufbau bei Schwertklingen

Seit dem 3. Jhd. AD. finden sich gleichzeitig tordierte und gerade 7-lagige Stäbe, die verschiedentlich in der Klinge eingesetzt wurden. Die häufigste Mustersteuerung ist die Torsion. Bei der Torsion wird ein mehrlagiger Damaststab Abschnitt für Abschnitt erhitzt und verdreht und bekommt dadurch ein schraubenförmiges Aussehen.

Saxklinge mit Detailansicht des Musters. (weitere Angaben in der Tafelansicht) (Foto: archaeomedia)
Saxklinge mit Detailansicht des Musters. (weitere Angaben in der Tafelansicht) (Foto: archaeomedia)

Für einen aus drei Damastbahnen zusammengesetzten Klingenkern tordiert man zum Beispiel zwei Stäbe in der einen Richtung und einen in der anderen (Fischgrät- oder Winkeldamast). Die Stäbe werden dann wieder zu einem Vierkantstab geformt und zusammengeschweißt. Wird der Damaststab nur abschnittsweise verdreht können die Einzelteile so versetzt zusammengefügt werden, daß immer ein tordierter Abschnitt neben einem geraden zum liegen kommt, wie man auf der Abbildung sieht. Am einfachsten ist es, diese Kombination mit einer Stahlschneide zu versehen (Sax), oder eine rundum laufende Schneide anzuschweißen (Spatha). Man kann aber auch zwei solcher Kombinationen zusammenschweißen, evtl. sogar mit einer eisernen Zwischenschicht. Die Spitze des Schwertes wird vorgeformt, ebenso der Stahl für die Schneiden und an den Damastkern angeschweißt. Nun kann die Klinge in die gewünschte Form geschmiedet, geschliffen und poliert werden. Das Muster variiert stark, je nachdem wieviel von einem tordierten Stab heruntergeschliffen wird. Nach der Politur , gegebenenfalls mit anschließender Ätzung, kommt das Muster zum Vorschein.

Schlußbemerkung

Ein von M. Reinauer nach einem selbstentworfenem Muster geschmiedetes Messer aus fünf verschiedenen Eisen- und Stahlsorten. Klingenlänge: 12,7 cm; Klingenbreite: 2,5 cm; Klingenstärke: 3,2 mm. Arbeitszeit Schmieden: 2 Personen x 25 Stunden. (Foto: M. Reinauer)
Ein von M. Reinauer nach einem selbstentworfenem Muster geschmiedetes Messer aus fünf verschiedenen Eisen- und Stahlsorten. Klingenlänge: 12,7 cm; Klingenbreite: 2,5 cm; Klingenstärke: 3,2 mm. Arbeitszeit Schmieden: 2 Personen x 25 Stunden. (Foto: M. Reinauer)

An archäologischen Funden sind mannigfaltige Muster- und Klingenaufbauten nachgewiesen. Neben häufig auftretenden Motiven , beispielsweise der Winkeldamast, kommen auch Stücke mit stark individuellem Charakter vor. An der Qualität der Ausführung und der Präzision und Gleichmäßigkeit der Muster läßt sich selbst bei einfachen Techniken das Können und der Sachverstand eines Schmiedes nach erfolgter Untersuchung ablesen. Schmiedetechnische Versuche tragen wesentlich dazu bei, die dahinterstehende Kunst besser zu verstehen und zu beschreiben.

Seit vor wenigen Jahrzehnten die beinahe "verloren" gegangene Technik des Damastschmiedens wieder entdeckt wurde, die beiden Schmiede Manfred Sachse und Heinz Denig wären hier unter anderen als Pioniere zu nennen, entstand im Laufe der Zeit ein regelrechter Boom. Speziell auf dem Sektor der Messerklingen beschäftigen sich heutzutage viele Schmiede mit dem Thema. Hierbei kam es zu einer stetigen Weiterentwicklung dieser weltweit verbreiteten Schmiedekunst.

Literatur

  • Denig, Heinz: Alte Schmiedekunst , Damaszenerstahl. Beiträge zur pfälzischen Volkskunde. 2.Aufl.. Inst. Für Pfälzische Geschichte u. Volkskunde. Kaiserslautern 1990.
  • Denig, Heinz: Alte Schmiedekunst, Damaszenerstahl, Band 2. Otterbach 1999.
  • Pleiner, Radomir: The Celtic Sword. Oxford 1993.
  • Sachse, Manfred: Damaszenerstahl - Mythos, Geschichte, Technik, Anwendung. 2. erweiterte Aufl.. Düsseldorf 1993.
  • Ypey, Jaap: Europäische Waffen mit Damaszierung. In: Arch. Korrespondenzblatt 12, 1982.